Lebensübergänge in der Paarbeziehung

Wenn Liebe zur Baustelle wird, ist das noch lange keine Sackgasse.

Lebensübergänge in der Paarbeziehung sind Herausforderungen, die jede Partnerschaft auf die Probe stellen. Ob es sich um den Eintritt in das Rentenalter, den Auszug der Kinder oder eine berufliche Veränderung handelt, solche Übergänge erfordern Anpassungsfähigkeit, Kommunikation und Verständnis. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie solche Lebensübergänge gemeinsam mit Ihrem Partner meistern können und welche Vorteile sie für Ihre Beziehung haben können.

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Jede Paarbeziehung durchläuft verschiedene Phasen, die mit unterschiedlichen Herausforderungen und Chancen verbunden sind. In diesem Blogpost möchte ich einige dieser Phasen beschreiben und Tipps geben, wie man sie gemeinsam meistern kann.

Partnersuche und Heirat

In der Werbungsphase lernen sich die zukünftigen PartnerInnen kennen und entwickeln eine erste Bindung, die die Basis für eine sexuell und emotional befriedigenden Beziehung bildet. Die meisten Menschen haben Zugang zu verschiedenen abgegrenzten Partnermärkten, in der sich Personen mit ähnlichen Merkmalen (Alter, soziale Schicht, Schul- und Berufsausbildung, Werte, Interessen, Hobbys etc.) treffen. 

Das Kennenlernen

Die erste Phase ist das Kennenlernen, in der man einander entdeckt und voneinander fasziniert ist. Diese Phase ist oft von großer Freude, Aufregung und Neugier geprägt. Man möchte alles über den anderen wissen, verbringt viel Zeit miteinander und spürt eine starke Anziehung. Um diese Phase zu genießen, ist es wichtig, offen und ehrlich zu sein, einander zu respektieren und zu akzeptieren und sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen.

Die erste Verliebtheit

Die zweite Phase ist die erste Verliebtheit, in der man sich sicher ist, den richtigen Partner gefunden zu haben. Diese Phase ist oft von intensiven Gefühlen, Romantik und Leidenschaft geprägt. Man möchte immer zusammen sein, plant gemeinsame Zukunft und schwört sich ewige Treue. Um diese Phase zu bewahren, ist es wichtig, einander zu schätzen, sich Raum für eigene Interessen zu lassen und sich nicht zu sehr von der Außenwelt abzuschotten.

In der Phase der ersten Paarbeziehung wird eine enge Beziehung aufgebaut, wobei Erwartungen, Werthaltungen und Einstellungen ebenso aufeinander abgestimmt werden müssen, wie Rollenleitbilder und Partnerschaftsmodelle. Die Regeln des Umgangs miteinander werden definiert und das Paar entwickelt Konflikt- und Problemlösestrategien. Oft zeigen die PartnerInnen einander nur die besten Seiten und verklären den Anderen vorwiegend dann, wenn nur die Freizeit und kein gemeinsamer Alltag miteinander gelebt wird. In dieser Phase ist die Entwicklung einer Paaridentität zentral, wobei die Abgrenzung der Paarbeziehung nach außen und die Ablösung von der Herkunftsfamilie wichtig sind. 
In der Phase der gefestigten Paarbeziehung ziehen die Paare oft zusammen und bilden eine Wohn- und Lebensgemeinschaft. Abgeschlossen wird die Phase 1 mit der Entscheidung, ob Liebe und Beziehungsqualität ausreichen, um zu heiraten, genauer gesagt eine überdauernde eheähnliche Lebensgemeinschaft einzugehen. 
In den westlichen Industrieländern ist ein deutlicher Bedeutungs- und Motivationswandel hinsichtlich der Ehe zu erkennen: da die Heiratsneigung insgesamt abnimmt und nicht eheliche Lebensgemeinschaften zunehmend akzeptiert werden, kommt es zur Eheschließung meist nicht mehr, um das Zusammenleben zu legitimieren, sondern oft erst, wenn sich das Paar ein Kind wünscht. Durch die Heirat wird die Beziehung legalisiert und den herrschenden Gesetzen und Verhaltensnormen unterworfen; die Beziehung bekommt Ausschließlichkeitscharakter und ist auf Dauer angelegt.

Die Hochzeit

Die dritte Phase ist die Hochzeit, in der man sich entscheidet, den Bund fürs Leben zu schließen. Diese Phase ist oft von großer Feierlichkeit, Glück und Stolz geprägt. Man möchte die Liebe vor allen bezeugen, ein gemeinsames Zuhause schaffen und eine Familie gründen. Um diese Phase zu gestalten, ist es wichtig, sich gemeinsam auf die Feier vorzubereiten, die Erwartungen abzustimmen und die Bedeutung der Ehe zu reflektieren.

Die ersten Probleme

Die vierte Phase sind die ersten Probleme, in der man mit Konflikten, Stress und Enttäuschungen konfrontiert wird. Diese Phase ist oft von Unzufriedenheit, Frust und Zweifel geprägt. Man möchte die Probleme lösen, aber weiß nicht wie, gerät in Streit oder zieht sich zurück und fragt sich, ob man noch zusammenpasst. Um diese Phase zu überwinden, ist es wichtig, miteinander zu reden, zuzuhören und zu verstehen, Kompromisse zu finden und an der Beziehung zu arbeiten.

Die ersten Ehejahre

Die Paare müssen in den ersten Ehejahren klären, wie Rechte, Pflichten und Entscheidungsbefugnisse geregelt sein sollen, wer welche Aufgaben im Haushalt übernimmt und wie die Macht verteilt ist. Die Partnerrolle muss mit anderen Rollen (z. B. im Beruf, in der Herkunftsfamilie, ...) abgestimmt werden und die Beziehung benötigt eine Abgrenzung nach außen. Für Paare, die bereits vor der Eheschließung zusammengewohnt haben, bringen die ersten Ehejahre weniger Veränderungen. 

Im Wesentlichen geht es in den ersten Ehejahren um die Entwicklung eines befriedigenden Verhältnisses zwischen Zeiten der Gemeinsamkeit, Nähe und Intimität einerseits und Zeiten der Distanz, Selbstdifferenzierung und Autonomie andererseits. Auch werden die in der Werbungsphase definierten Regeln, Vereinbarungen und Konfliktlösungsansätze weiterentwickelt und ergänzt. 

Meist stehen die Paare im Berufsleben und investieren viel Zeit und Energie in die Existenzgründung und Karriereentwicklung. Wenn eine gemeinsame Wohnung eingerichtet werden soll, wird oft ein großer Teil des Einkommens und der Ersparnisse für die Schaffung eines Zuhauses ausgegeben; manche Paare verschulden sich dabei.
Einen Abschluss findet die Phase 2 mit der gemeinsamen Entscheidung, ob ein Kind gezeugt werden soll. Wenn das Paar aufgrund einer Schwangerschaft geheiratet hat oder rasant einen Kinderwunsch in die Realität umsetzten kann, verkürzt sich die 2. Phase im Familienlebenszyklus oft auf einige Monate und ist durch die Vorfreude und -bereitung auf das Kind geprägt.

Ehe mit Kleinkindern

Mit der Geburt des ersten Kindes beginnt die 3. Phase, die bis zur Einschulung des letzten Kindes dauert. Direkt nach der Geburt erleben viele Paare Baby-Flitterwochen, die sich in einem deutlichen Anstieg an ehelicher Zufriedenheit bemerkbar machen. Darauf folgt jedoch oft eine Verschlechterung der Ehequalität.

Die frisch gebackenen Eltern müssen sich erst in die Mutter- bzw. Vaterrolle einfinden und sind meist im Umgang mit dem Baby unerfahren und übervorsichtig. Der Säugling steht im absoluten Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, sein Verhalten bestimmt die Reaktionen der Eltern. Diese müssen gemeinsam entscheiden, wie Erziehungsverantwortung und Aufgaben aufgeteilt werden sollen, ob ein oder beide PartnerInnen berufstätig bleiben und wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet werden soll. 

In vielen – auch bisher sehr partnerschaftlich orientierten – Familien kommt es nach der Geburt des ersten Kindes zu einem Wandel der Machtstruktur und Arbeitsteilung in Richtung traditioneller Geschlechtsrollen. Auch wenn viele Männer ihre Frauen nach der Geburt zu entlasten versuchen, ziehen sie sich mit der Zeit immer mehr aus der Hausarbeit und Säuglingspflege zurück. Mütter, die nach der Geburt die Berufstätigkeit aufgeben, verlieren viele berufliche Kontakte und fühlen sich oft einsam und isoliert. Die berufliche Anerkennung fällt ebenso weg wie die finanzielle Unabhängigkeit, und viele Frauen fühlen sich in dieser Situation intellektuell unterfordert.

Ehe nach Ablösung der Kinder

Nun ist die gegenseitige Unterstützung beim Verarbeiten der „empty nest“-Situation notwendig. Die Paaridentität als „Paar ohne Kinder“ muss weiterentwickelt, die Beziehung neu definiert werden, was oft durch die Suche nach neuen gemeinsamen Interessen, Gesprächsthemen und Aktivitäten gelingt. Gerade nicht berufstätige Frauen haben manchmal Schwierigkeiten, sich an ein Leben ohne Kinder zu gewöhnen. Sie fühlen sich unausgelastet und unzufrieden, wenn sie mit der Mutterrolle einen wichtigen Teil ihrer Identität verlieren. Da eine Rückkehr in die Erwerbsarbeit oft mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, erleben manche Frauen eine Verschlechterung des subjektiven Gesundheitszustandes, sie leiden unter Depressionen und Spannungen im Umgang mit ihrem Mann und den Kindern.

Eine der wesentlichen Aufgaben in dieser Phase ist es, Bindung und Zuneigung trotz größerer Veränderungen beim Partner/bei der Partnerin aufrechtzuerhalten. Wenn in den vergangenen Jahren die Familie im Zentrum der Aufmerksamkeit stand, kann es durch die Reduktion auf das Ehesystem zum Ausbruch verdrängter, nicht bewältigter oder neuer Konflikte kommen. Paare, die einen Mangel an innerer Gemeinsamkeit erleben, müssen wieder gemeinsame Themen, Interessen und Aktivitäten finden. 

Die Kinder aus dem Haus

Hier sind die Kinder aus dem Haus, in der man wieder mehr Zeit für sich hat und neue Pläne macht. Diese Phase ist oft von Wehmut, Erleichterung und Neugier geprägt. Man möchte die Kinder loslassen, aber auch begleiten, das eigene Leben genießen, aber auch sinnvoll gestalten und neue Herausforderungen suchen oder alte Träume verwirklichen. Um diese Phase zu nutzen, ist es wichtig, einander zu ermutigen, sich neue Ziele zu setzen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln.

Die alte Ehe

Nach dem Übertritt in die Pension gilt es, die anfallenden Aufgaben und Arbeiten neu aufzuteilen und eine befriedigende Form der Tagesgestaltung zu entwickeln, die andere Lebensinhalte und sinngebende Aktivitäten umfasst. Durch die gestiegene Lebenserwartung und einen frühen Eintritt in die Pension wird die Phase des Ruhestandes immer länger.
Vor allem Männer, aber auch berufstätige Frauen erleben durch die Pensionierung einen Verlust an Status und Autorität; sie fühlen sich nutzlos oder überflüssig und benötigen oft länger, bis sie die Rolle des Pensionisten akzeptieren und in ihr Selbstbild integrieren. Wenn die PartnerInnen nun glauben, einen Großteil der Zeit miteinander verbringen zu müssen, ohne sich eigene Interessenbereiche und Betätigungsfelder zu suchen, kommt es fast zwangsläufig zu ehelichen Konflikten. Den üblichen Tagesablauf gibt es nicht mehr und die seit Langem praktizierte Arbeitsteilung wird infrage gestellt.

Mit zunehmendem Alter und dem damit einhergehenden Verlust an körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit nimmt die Zahl der sozialen Kontakte ab. Meist bleiben aber enge Beziehungen zu Verwandten und Freunden bestehen und das „alte Paar“ leistet wichtige Unterstützungsmaßnahmen für die Familie: sie beaufsichtigen die Enkel, springen bei Notfällen ein, oder machen großzügige Sach- und Geldgeschenke. Größtenteils nimmt die emotionale Nähe zwischen Enkeln und Großeltern mit steigendem Lebensalter jedoch ab, wenn die Lebensstile, Interessen und Wertvorstellungen zwischen den Generationen weit auseinander klaffen.

Die Herausforderungen im Alter

Die achte Phase sind die Herausforderungen im Alter, in der man mit körperlichen, geistigen und sozialen Veränderungen umgehen muss. Diese Phase ist oft von Akzeptanz, Gelassenheit und Weisheit geprägt. Man möchte das Alter annehmen, aber auch aktiv bleiben, die Gesundheit erhalten, aber auch die Grenzen respektieren und die Lebenserfahrung teilen, aber auch von anderen lernen. Um diese Phase zu genießen, ist es wichtig, sich selbst zu achten, sich fit zu halten und sich offen zu zeigen.

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