Du gehörst mir - Ist Eifersucht der Beweis für eine starke Liebe?

Eifersucht als Liebesbeweis zu betrachten, ist weit verbreitet.

Liebe oder Eifersucht? Das ist die Frage, die viele Menschen beschäftigt, die in einer Beziehung sind oder eine anstreben. Wie kann man erkennen, ob man wirklich liebt oder nur besitzergreifend ist? Wie kann man mit den eigenen oder fremden Gefühlen umgehen, ohne sich selbst oder andere zu verletzen? In diesem Artikel erfährst du, was Liebe und Eifersucht voneinander unterscheidet, wie du sie beeinflussen kannst und wie du eine gesunde Balance zwischen ihnen findest.

Sie ist unheimlich und bleibt oft heimlich, die Eifersucht. Als gefährliche Gefühlsmixtur kann sie tragische Folgen haben. 
Doch hat jeder mit Eifersucht zu kämpfen? Und wenn ja: Was hat das mit Liebe zu tun?

Eifersucht als Liebesbeweis zu betrachten, ist weitverbreitet. Dann wären alle ohne Eifersucht mit dem falschen Partner zusammen. So ist das jedoch nicht! Eifersucht als Liebesbeweis zu betrachten, kann eine Partnerschaft zerstören. 

Misstrauen ist niemals ein Zeichen von Liebe.

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Eifersucht ist alles außer Liebe 

Ein Mann hatte seine Frau aus Eifersucht erschossen. Nach dem Prozess gegen ihn soll er gesagt haben: „Ich habe das Liebste verloren, das ich hatte. Dagegen ist die Strafe, die mich jetzt erwartet, beinahe lächerlich.“

Der Schmerz dieses Mannes über den Verlust des geliebten Menschen ist verständlich. Unbegreiflich erscheint, dass er sich diesen Menschen durch Mord selbst genommen hatte, den geliebten Menschen, dessen Verlust er über alles in der Welt gefürchtet hatte.

Dieses möglicherweise extreme Beispiel kann durch zahlreiche alltägliche Vorkommnisse erweitert werden, denn Eifersucht treibt seltsame Blüten: Ein junges Mädchen versucht, seinen Freund eifersüchtig zu machen, um die erhoffte Reaktion als Liebesbeweis zu werten. Ein Ehemann verbietet seiner Frau, am Betriebsausflug teilzunehmen. Eine Ehefrau bekommt ein Grausen, weil Ihr Mann in der Firma eine weibliche attraktive Arbeitskollegin zugeteilt bekommt und mit ihr auch im Zuge des Projektes mit Ihr auf Dienstreise gehen soll. Eine weitere Ehefrau gerät in Panik, weil ihr Mann gelegentlich eine Arbeitskollegin im Zuge einer Fahrgemeinschaft im Auto mitnimmt. Ein junger Mann lässt seine Freundin mit keinem anderen tanzen. Und eine junge Frau, die ihren Freund von anderen Frauen umworben glaubt, verhält sich daraufhin so hysterisch und abstoßend, dass ihre Szenen den Freund aus dem Haus und in die Arme von anderen treiben.

Das anfängliche Beispiel des Mordes aus Eifersucht ist außerdem so extrem gar nicht, wie man meinen mag. Viele sind tatsächlich eher geneigt, ihren Partner zu töten als ihn mit anderen zu teilen. Dieser Umstand findet seinen Niederschlag ausgiebig in Literatur und Film: Man achte einmal darauf, wie oft die Handlung eines Romans oder Filmes durch Eifersucht und sich daraus ergebenden Verbrechen bestimmt wird.

Die Beziehung zwischen zwei Menschen, die einander zu lieben glauben, 

ist ohnedies eine der seltsamsten Erscheinungen in unserer Gesellschaft. Sie wird sich fast immer dem Zugriff von Logik und Vernunft entziehen. Einerseits mag dies Vorteile haben, denn nicht alles muss vom Verstand zerlegt und sortiert werden. Doch treibt es demjenigen Tränen der Wut, der Verzweiflung oder des Lachens ins Auge, der mit wachen Augen beobachtet, was alles unter dem Deckmantel der angeblichen Liebe geschieht. Und wer je in der hoffnungslosen Situation war, den Überblick über die hundert Knoten und tausend Knötchen im Faden einer Beziehung behalten zu wollen, kennt das Lied vom täglichen Schwachsinn in- und auswendig.

Die eigenartigste Erscheinung in der verwirrenden Kompliziertheit einer Beziehung ist die Eifersucht. Fast jeder hat schon einmal mehr oder weniger schmerzhaft erfahren können, wie weh dieses Gefühl tut und wie sinnlos es gleichzeitig ist. Es fügt dem Eifersüchtigen ebenso wie seiner Umwelt meist nur Schaden zu, bringt hässliche Szenen und entwürdigende Auftritte und endet manches Mal sogar tödlich. Dennoch wird Eifersucht von vielen als anscheinend nicht zu vermeidende Gegebenheit hingenommen und fast nie infrage gestellt. Meist wird nicht einmal der Versuch unternommen, die Notwendigkeit der Eifersucht anzuzweifeln oder zu lernen, sinnvoll und positiv mit ihr umzugehen. Im Allgemeinen wird sogar die Verknüpfung von Liebe und Eifersucht vorausgesetzt und als abhängig voneinander empfunden.
Die Erfahrung lehrt, dass der Eifersüchtige lieber die Beziehung zu einem geliebten Menschen abbricht, bevor er ihm andere Partner zugesteht, auch wenn er vorher in dem Glauben war, ohne ihn nicht leben zu können. Plötzlich wählt er sogar freiwillig das Leben ohne den vorher so unersetzlich scheinenden und so innig geliebten Partner.

Warum veranlassen all diese offensichtlichen Widersprüche, all dieser Irrsinn so selten jemanden zu der Frage, was eigentlich hinter der Eifersucht steckt und wie man sich ihre zahlreichen negativen Folgen ersparen könnte? Welch eine elementare Kraft muss hinter diesem Gefühl stehen, dass es so einschneidend und weitreichend in unser aller Leben einzugreifen vermag?

Nur geheuchelte Liebe ist eifersüchtig

Wir leben unter Bedingungen, die den Mut zur Mitmenschlichkeit und Liebe eher bestrafen als belohnen. Wir haben eine kalte und herzlose Technologie geschaffen, deren Ergebnisse uns aus den Fingern gleiten. Wir haben Kräfte entfesselt, die plötzlich unsere Existenz bedrohen (Atombombe und Atomkraft, Chemie und Umweltverschmutzung). Wir sind Figuren in einem bedingungslosen Kampf um Macht und Profit und erfahren täglich die Würde- und Bedeutungslosigkeit des Menschen in einer Welt, die schon seit Langem nicht mehr an ihm gemessen wird.

Unter diesen herrschenden Bedingungen führt die krampfhafte und verzweifelte Suche nach ein bisschen Liebe zur Hochstilisierung von oberflächlicher Sympathie und sexueller Attraktivität zur „großen Liebe“. Ein Missverständnis, das fatale Folgen hat: Viele binden sich an den ersten einigermaßen geeignet erscheinenden Menschen, um die Hilflosigkeit gegenüber scheinbar selbstständigen Mächten teilen und ertragen zu können. Die Angst, all dem wieder allein ausgeliefert zu sein, verführt leicht dazu, sich abhängig und ängstlich an dem Einen zu klammern, zu dem man Vertrauen gefasst hat.

Um wenigstens einen kleinen Teil ihrer Bedürfnisse und Träume mit einer gewissen Sicherheit und Regelmäßigkeit erfüllen zu können, hängen viele Paare aneinander, die im Grunde wenig verbindet. Vor sich und der Umgebung nennen sie es Liebe und glauben meist selbst daran.

Die Männer sehen sich gezwungen, die sexuelle Anziehungskraft einer Frau zuliebe hochzujubeln, weil pure sexuelle Bedürfnisse von Frauen verdrängt oder verleugnet werden. Frauen neigen mehr dazu, für das kleinste bisschen Zärtlichkeit und Geborgenheit selbst gemeinste Demütigungen, Schikanen und Erniedrigungen in Kauf zu nehmen. Sie verwechseln ein wenig Sicherheit mit einer Liebe, die sogar die Prügel des Mannes überdauert. Und zahlreich sind die Paare, welche unter Liebe nichts anderes verstehen als das gegenseitige Ausagieren ungelöster Konflikte mit dem anderen Geschlecht oder den eigenen Eltern.

Wenn das Zusammenleben und die Sexualität nach Jahren unter diesen Umständen schal und hohl werden, kommt das einer ganzen Industrie entgegen, die Pornografie und Sexualtechnik als Ausweg aus dieser inneren Leere anpreist.

Es ergibt sich wohl von selbst, dass all dies wenig mit Liebe zu tun hat. Der Irrglaube, es handele sich dabei um Liebe, gaukelt den Betroffenen vor, dass die Angst vor dem Verlust des Partners ein untrügliches Zeichen für wahre Liebe sei. So entsteht das Gerücht, Eifersucht sei ein Beweis der Liebe - was für ein Hohn! Wo Angst regiert und Abhängigkeit bestimmt, kann keine Liebe gedeihen.

Liebe ist ein Kind der Freiheit, heißt es in einem alten, französischen Volkslied. 

Schöner und treffender kann man nicht formulieren, dass unter Angst und Zwang, in Abhängigkeit und Furcht keine Liebe möglich ist.

An dieser Stelle könnte der Einwand geltend gemacht werden, dass in der Kindererziehung von den Eltern oft Zwang ausgeübt werden muss, sie aber trotzdem ihre Kinder lieben; und die Kinder in realer Abhängigkeit von den Eltern leben, sie aber ebenfalls lieben. Ich möchte dem energisch widersprechen. Zwar wäre es verfehlt zu behaupten, dass es keine positiven Gefühle zwischen Eltern und Kindern gibt, doch angesichts der zahlreichen Misshandlungen und Vernachlässigungen von Kindern in körperlicher und seelischer Hinsicht sind doch gewisse Zweifel berechtigt an der scheinbar unumstößlichen Tatsache der Elternliebe. In vielen Literaturen wird einleuchtend erläutert, wie die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern meist tatsächlich aussehen: „Der Mann treibt die Frau, die Elterngeneration die Kinder, generell der Stärkere den Schwächeren durch manipulierte Trennungsangst jeweils in Anklammerungszwänge und Unterwerfungszwänge hinein, welche jeweils die eigene Vereinsamung kompensieren sollen.“ Die meisten Kinder werden mit Trennungsängsten und Trennungsdrohungen abhängig gemacht, weil dies schon zum üblichen Repertoire der Erziehungsmittel gehört. Damit ist die wichtigste Ursache geheuchelter Liebe erklärt:

Wer als Kind die Abhängigkeit von den Eltern Liebe genannt hat, wird später die Abhängigkeit vom Partner ähnlich erleben. Damit sind gewisse sympathische Regungen keineswegs ausgeschlossen, weder bei den Eltern noch beim Partner. Doch unter Liebe ist etwas völlig Anderes zu verstehen.

Lieben – das heißt den geliebten Menschen zu fördern, befreien, beleben und behüten. 

Die meisten Beziehungen zwischen Menschen sind jedoch von der Angst besetzt, der Partner könne sich weiterentwickeln und einem dabei aus den Fingern gleiten. Diese Angst führt zu dem Bemühen, ständig das Bestehende zu festigen und zu sichern, da jede Veränderung und Entwicklung gefährlich erscheint. So wird der vermeintlich geliebte Mensch gehemmt, erstickt, gelähmt und an die Kette gelegt: Gehemmt, damit er sich nicht von einem fortentwickeln kann; erstickt, um ihn ständig unter Atemnot zu halten (wer frei atmet, fühlt sich freier!); gelähmt, damit er nicht fortlaufen kann; an die Kette gelegt, um ihn unter dauernder Bewachung zu haben. Wer einen Mitmenschen (dazu noch einen angeblich geliebten) so behandelt, der lügt, wenn er von Liebe redet. Tatsächlich benützt er den anderen als Krücke, um sich selbst einigermaßen aufrecht zu halten. Erich Fromm formulierte treffend: „Was als Liebe bezeichnet wird, ist meist ein Missbrauch des Wortes, um die Wahrheit des Nichtliebens zu verbergen.“ Seine Definition von Liebe ist eine Art von Vorgang, der sich mit Besitzansprüchen und Kontrolle auseinandersetzt. Liebe ist nach seiner Meinung eine Fiktion. Für ihn existiert nur die positive und produktive Aktivität des Liebens. „Es bedeutet, ihn (sie, es) zum Leben zu erwecken, sein (ihr) Lebensgefühl zu steigern; es ist ein sich selbst erneuernder und intensivierender Prozess.“

An diesen Maßstäben gemessen, sind liebende Menschen die Ausnahme. Dennoch meint jeder, den Menschen auch tatsächlich zu lieben, von dem er es glaubt. Auf diesem Irrtum beruhen viele der unverständlichen und widersprüchlichen Handlungen eines Eifersüchtigen. Würde jeder zu den Bedürfnissen stehen, die er mit oder durch seinen Partner befriedigen will, und auf das Heucheln von Liebe verzichten, wäre manches in den Beziehungen untereinander einfacher und logischer zu verstehen und zu handhaben.

Wirkliche Liebe kann nicht eifersüchtig sein. 

Doch wird sie nur der Mensch geben können, der zufrieden in sich ruht, um den Wert seiner Person weiß und es sich leisten kann, einem geliebten Menschen Individualität zuzugestehen. Ein solcher Mensch wird den Verlust seines Partners fürchten und betrauern. Doch wird er nie versuchen, ihn als Sklaven zu betrachten, dem er vorschreiben kann, was dieser zu tun und zu lassen hat.

Nur geheuchelte Liebe wird zur Eifersucht neigen, die Liebe derer, die ihren Nächsten genauso wenig lieben können wie sich selbst. Wer sich im Grunde minderwertig fühlt und sich selbst ablehnt, wird diese Verachtung auf andere übertragen und seinen Partner als Leibeigenen, als Sklaven sehen. In solchen Menschen bricht auch tatsächlich eine Welt zusammen, wenn ihr Partner eigene Wege geht: Eine Scheinwelt, welche eben durch diesen Partner aufrechterhalten werden konnte. Im wahrsten Sinne des Wortes werden diese Menschen enttäuscht. Ihre Illusion vom eigenen Wert, im tiefsten Herzen nie so recht geglaubt, wird ihnen genommen und mit ihr die Stütze, die sie aufrecht gehalten hat.

Angst und Misstrauen verhindern Liebe Zu Beginn wurde es schon angesprochen, dass die Bedingungen, unter denen wir leben, keineswegs geeignet sind, Mitmenschlichkeit oder gar Liebe zu fördern. 

Es könnte kurz und prägnant festgestellt werden: „Der hiesigen Gesellschaftsform ist Liebe wesensfremd.“ Zwei Hindernisse stehen seines Erachtens der Entfaltung von Liebe in unserer Gesellschaft im Weg: „Erstens die Struktur der Gesellschaft samt Struktur der Mutter-Kind-Beziehung, der Art und Weise der Kinderaufzucht mit ihren Resultaten. Zweitens – also nicht erstens – die zusätzliche psychosoziale Erniedrigung der Frau durch den Mann.“

Ohne Zweifel treffen diese Feststellungen zu. Ich habe jedoch den Eindruck, dass vor allem sogenannte Fortschrittliche den Schluss daraus ziehen, dass einzig die Gesellschaft die Menschen formt und beherrscht und nicht auch gleichzeitig die Gesellschaft von den in ihr lebenden Menschen geformt und beherrscht wird. Wo politische und wirtschaftliche Strukturen Liebe verhindern, wird durch bloße Umorganisation, sei es auf parlamentarischem oder revolutionärem Wege, keine Liebe entstehen. Mir scheint, dass die vermeintliche Machtlosigkeit des Einzelnen auf einer Verkennung seiner tatsächlichen Macht beruht. Durch das Bemühen um Mitmenschlichkeit und Liebe, sei es auch noch so schwer, wird ein Wandel der herrschenden Bedingungen möglicher. Dazu gilt es, nicht nur in klugen Diskussionen zu schwelgen oder durch Überschüttung der Bevölkerung mit Flugblättern revolutionäre Kräfte wecken zu wollen, sondern im täglichen Umgang miteinander das zu tun, was an gegenseitiger Achtung und Liebe möglich und machbar ist. Dies erfordert viel Kraft und Mut, denn das heißt im weitesten Sinne, den Versuch eines Lebens ohne Lüge und Heuchelei zu wagen.

Ich weiß, dass dies weit schwieriger ist, als klug über die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen zu dozieren, im privaten und persönlichen Bereich schon beim Versuch dieser Veränderungen kläglich zu versagen und es dann beim Reden zu belassen. Lieben ist schwerer als nur Denken und Reden, doch in der Folge wesentlich wirkungsvoller.

Wer hier ähnlich denkt und den wagemutigen Versuch startet, lieben zu lernen, wird sich bald allein gelassen wissen, verspottet und verlacht. Zudem muss er ertragen, dass er lange Zeit ohne das leben muss, was er bisher unter Liebe verstanden hat, denn das Ende der Heuchelei bedeutet den Verlust zahlreicher „Freunde“. Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass in unserer Kultur kaum jemand einen Partner gewinnen kann, wenn er dem anderen seine wahren Bedürfnisse gesteht. Nur wer Liebe heuchelt oder wenigstens mitmenschliches Interesse vorgibt, hat überhaupt erst eine Chance, näheren Kontakt zu anderen zu finden.

Mir ist dieser Umstand eine genauere Betrachtung wert. 

Was ist der Grund dafür, dass ohne Heuchelei kein Kontakt zum Mitmenschen zu knüpfen ist? Die Antwort liegt auf der Hand: Sobald sich jemand einem anderen interessiert nähert, spürt er meist schon aus der Distanz dessen Misstrauen. „Was will der wohl von mir?“ Fast jeder fürchtet ständig, von anderen betrogen und ausgenützt zu werden und kann auf zahlreiche Beispiele verweisen, wo dies tatsächlich der Fall war. Wer kennt nicht solche Sätze wie: „Die Männer wollen alle nur das Eine“ oder „Mich mag doch keine. Wer weiß, was die wirklich will“? Es ist auf den ersten Blick ziemlich deprimierend, wie viele negative Erfahrungen hinter solchem Misstrauen stehen mögen. Doch wer genauer hinsieht, wird meist finden, dass diese Vermutung keineswegs zutrifft. Stattdessen ist es um eine kleine, doch entscheidende Wendung anders. Hinter diesem Misstrauen verbirgt sich der Mangel an positiven Erfahrungen!

Genau an diesem Punkt beginnt ein verhängnisvoller Kreislauf. Wer voller Misstrauen und ablehnender Vorsicht auf andere zugeht, wird einmalig erleben, dass sich einer zu ihm durchkämpft. Viele haben hundert Hürden um sich herum aufgebaut und fragen sich, warum keiner die Mühe auf sich nimmt, sie alle aus dem Weg zu räumen. Mit dem dadurch entstehenden Mangel an menschlicher Nähe entwickelt sich das lähmende Misstrauen: Was der wohl will, der da gerade an der vierten Hürde herumhantiert.

Ich muss gestehen: Wenn ich mich für einen Menschen interessiere, er mir aber immer neue Hindernisse und Vorsichtsmaßnahmen in den Weg stellt, wende ich mich oft wieder ab. Der andere sieht sich dann in seinem Misstrauen bestätigt. Aus seiner Sicht hat es mal wieder jemand nicht ernst mit ihm gemeint.

Wo ist der Mut zum offenen und vertrauensvollen Kontakt geblieben? Wo haben die Menschen gelernt, sich so voreinander zu verbergen?

Die ersten und meist grundlegenden Erfahrungen mit anderen macht jeder im Normalfall mit seinen Eltern. Bei ihnen lernt er entweder, anderen aufrecht und offen zu begegnen oder Verletzungen durch eine dicke Mauer des Misstrauens erträglicher zu machen. Da die meisten Eltern im Laufe ihres Lebens selbst nicht gelernt haben, sich offen und aufrecht zu verhalten, geschieht meist das Schlimmere: Die Mauer wird aufgebaut und die Verstellung und Heuchelei beginnt. Im Laufe des Heranwachsens wird ein Kind das Gelernte immer wieder bestätigt finden. Verständlicherweise sinkt damit auch der Mut, es einmal anders zu probieren. Wer es trotzdem versucht, wird zunächst fast immer deprimierende und verletzende Erfahrungen machen. Entweder wird er von den anderen aus Furcht vor der erschreckenden Offenheit zurückgewiesen oder aber lustvoll von ihnen in die Pfanne gehauen. Nur wer sich dadurch nicht beirren lässt, wird entdecken, dass andere schließlich dankbar seine Aufrichtigkeit akzeptieren. Ein Sprichwort sagt: Wer den Schmetterling will, muss zuerst die Raupe ertragen. Doch wer wagt das schon?

Die oft gebrauchte Entschuldigung, man habe nicht die Kraft dazu, kann nicht gelten. Gerade die inneren Kämpfe und Verdrängungen verbrauchen ungeheure Energien, die dann frei werden, wenn man aufhört, sich ständig selbst zu unterdrücken und sich um die Erfahrung offener, mitmenschlicher Begegnungen zu bringen.

Verlässliche und gewährende Liebe lernt aus all diesen Gründen kaum jemand kennen. Im Laufe der Zeit entwickeln sich naturgemäß alle positiven Anlagen und Fähigkeiten zu vertrauensvollen Kontakten zurück, man wird zum emotionalen Krüppel und gibt all seine inneren Kämpfe an den Partner (und die Kinder) ungelöst weiter. Und man begnügt sich damit, seine Defizite wenigstens einigermaßen am Partner auszugleichen.

Dieser Versuch führt dann in der Folge zu den seltsamsten Beziehungen, meist zum abhängigen und ängstlichen Kleben aneinander in ständiger Furcht, auch noch das bisschen Wärme und Zuneigung, Herzlichkeit und Geborgenheit zu verlieren, das man gefunden zu haben glaubt. Weil man dies so dringend braucht, hängt man sich verzweifelt an den einen Menschen, der einem als Einziger ein wenig „Liebe“ gibt. Die Angst, dafür niemanden mehr zu finden, lässt Menschen sich jahrelang aneinander klammern, deren Leben oft mehr aus gegenseitiger Schikane und Quälerei besteht als aus Liebe.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass Eifersucht 

unter den gegebenen kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Umständen nichts Außergewöhnliches darstellt. Sie erscheint als logische Folge der üblichen Erziehung, des verbreiteten Mangels an Mitmenschlichkeit und Vertrauen und des im Kapitalismus notwendigen Denkens in den Kategorien Profit, Ware, Konkurrenz und Eigentum. Sie ist zudem Ausdruck der beharrlichen Angst, den angeblich geliebten Menschen und mit ihm die Chance zum Ausgleich der persönlichen Defizite zu verlieren. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen sich selbst für wertlos halten und ihr Selbstbewusstsein an einem Partner festmachen, ohne welchen ihnen ihr Leben sinnlos erscheint. In zahlreichen Fällen sind diese Minderwertigkeitsgefühle so stark, dass selbst ohne reale Bedrohung der Beziehung dem Partner Kontakte zu anderen untersagt werden. Schon der geringste Anlass oder die kleinste Andeutung verursachen dann hässliche Szenen, die für alle Beteiligten gleichermaßen entwürdigend sind.

Leibeigenschaft, Sklaverei oder persönlicher Besitz von Menschen, schon im letzten Jahrhundert energisch bekämpft, existieren offensichtlich noch heute – in den meisten sogenannten Liebesbeziehungen. Selbst fortschrittlich orientierte Paare, denen Privateigentum als Ursache grundsätzlicher gesellschaftlicher und politischer Probleme bekannt ist, scheuen sich keineswegs, den Partner mehr oder weniger offen zum Privateigentum zu degradieren. Zwar gilt es in progressiven Kreisen als schick, Besitzansprüche nicht offen zuzugeben, doch werden dem Partner auch hier mit den subtilsten Mitteln andere Beziehungen nachhaltig verleidet.

Dass trotzdem kaum jemand an der scheinbaren Notwendigkeit der Eifersucht zweifelt, liegt wohl daran, dass praktisch jeder dieses lästige und quälende Gefühl kennt und es daher als normal betrachtet. Außerdem ist die Furcht vor dem, was hinter der Eifersucht lauert, ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Suche nach ihren Hintergründen. Wer sich jedoch die Mühe macht, mutig und ehrlich seine Eifersucht zu hinterfragen, wird äußere Ursachen und innere Auslöser entdecken, die keineswegs als naturgegeben geduldet werden müssen.

Liebe ist das beste Mittel gegen Eifersucht

Die Eifersucht ist kein Ausdruck von Liebe, sie zeigt lediglich, dass die Bindung nicht greifbar ist. Der Liebende hat absolute Gewissheit. Er weiß, dass der andere ihn nicht verlassen kann, solange die Liebe dauert.“ Wenn dies auch keine neue oder umwerfende Erkenntnis ist, so führen diese Sätze doch vor Augen, wie es um uns bestellt ist. Die Mehrheit der Menschen wagt es nicht, lieben zu lernen. Es scheint, als wären die Angst vor dem Mitmenschen, der Glaube an die eigene Minderwertigkeit und die nicht eingestandene Furcht vor den eigenen Gefühlen stärker als die Sehnsucht, zu lieben und geliebt zu werden. „Manchmal denke ich: Es war noch nie so schwierig, zu lieben und geliebt zu werden, auf die eine oder andere Weise, und wir waren zugleich noch nie so auf Liebe und Gegenliebe angewiesen wie heute, auf Freundlichkeit, Rücksichtnahme, Achtung, Trost, Geborgenheit, letztlich auf sittliche Werte und einen Sinn fürs Leben.“ Auch wenn es kaum möglich scheint, heutzutage wirkliche Liebe zu finden, gibt es doch nur einen Weg, der dem Einzelnen ebenso helfen kann, wie der gesamten Menschheit: Lieben lernen. Dies kann jedoch nur geschehen, indem Neid, Hass und Eifersucht überwunden werden.

Für den Einzelnen, der für sich diesen Schritt wagen will, ist es zunächst wichtig, die Eifersucht in ihrer vollen Gewalt zuzulassen, ohne sich und anderen dabei zu schaden.

Viele versuchen, eifersüchtige Regungen im Keim zu ersticken. 

Das Betäuben oder Unterdrücken von Gefühlen hat jedoch immer unangenehme Nachwirkungen. Wer seinen Hass jetzt unterdrückt, wird an anderer Stelle von ihm überwältigt. Es ist ein weiterverbreiteter, doch verhängnisvoller Irrtum, mit der Unterdrückung von Gefühlen die dahinterstehende Energie bezwungen zu glauben. Was gemeinhin als Affekt bekannt ist, stellt nur den Ausbruch lange aufgestauter Gefühle dar. Wer die Kontrolle über seine Gefühle zu verlieren meint, steht nur vor dem Phänomen, dass sich lange unterdrückte Energien ihren Weg mit Gewalt bahnen, sei es in positiver oder negativer Weise. Freies Fließen von Energie und lockeres Zulassen von Gefühlen vermeidet den Stau, der dazu führt, in den plötzlich ausbrechenden Gefühlen unterzugehen. Meines Erachtens muss man unter den Folgen solcher Stauungen das gesamte Spektrum der Situationen sehen, in welchen man etwas tut, was man selbst nicht begreift und wobei man sich hinterher fragt, wie das nur geschehen konnte. Das reicht vom blinden und rauschartigen Verliebtsein bis zum blind um sich schlagenden Hass. Beides pflegt denn auch recht schnell zu verblassen, wenn der Überdruck abgelassen wurde, oft begleitet von einem schlechten Gewissen.
Das Zulassen und Ausleben von Eifersucht darf nun keinesfalls mit den üblichen hässlichen Szenen verwechselt werden, die nur der Ausdruck der Unfähigkeit sind, mit den aufkommenden Gefühlen angemessen umzugehen. Wer durch die Eifersucht hindurch will, um sie schließlich hinter sich zu lassen, darf nicht andere unter seinen eigenen Qualen leiden lassen. Dies würde nur auf das übliche bloße Abreagieren der Gefühle hinauslaufen, ohne zu einer Weiterentwicklung und Reifung der Persönlichkeit zu führen. Die ausbrechenden Gefühle sollten, wenn sie nicht unterdrückt werden, zu ihren Ursprüngen und Hintergründen zurückgeführt werden. Am besten geschieht dies natürlich in einem therapeutischen Rahmen, einer Gruppe von Freunden, bei welchen man sich fallen lassen kann oder auch allein, je nachdem, was man für sich als geeignet und hilfreich empfindet.

Hier sei die Anmerkung erlaubt, dass die gesellschaftlichen und politischen Faktoren, 

die letztlich an der Entstehung von Eifersucht beteiligt sind, zunächst auf diese Weise nicht verändert werden. Doch ist es allemal nützlich, bei der Arbeit an politischer Veränderung nicht von den eigenen persönlichen Unzulänglichkeiten überrascht und gestört zu werden. Politische Arbeit, die von emotionalen Krüppeln geleistet wird, führt zwangsläufig auch zu einer emotional verkrüppelten Gesellschaft. Insofern kann indirekt die Überwindung der Eifersucht eine größere politische und gesellschaftliche Reichweite haben als aller verkrampfter und blinder Eifer, der durch politische Änderungen auch das Innenleben der Menschen zu verändern glaubt.

Wer den Mut hat, diesen ersten Schritt zu tun und seine Eifersucht weder unterdrückt noch am Partner austobt, wird in sich die Bereitschaft zum zweiten Schritt entwickeln. Diesen will ich an einem einfachen Beispiel erläutern: Jeder kennt die praktischen Dampfkochtöpfe. Wer einen solchen Topf auf großer Flamme kochen lässt und dabei den Deckel über die zulässige Zeit hinaus geschlossen hält, erzeugt Überdruck. Wenn er außerdem keine Möglichkeit hat, die Flamme zu löschen, wird ihm jedes Mal heißer Dampf ins Gesicht schießen, wenn er den Deckel zu heben versucht. Deshalb wird er sich fürchten, den Dampf abzulassen oder gar den Deckel ganz herunterzunehmen. Gelingt es ihm jedoch, den Druck langsam aber stetig zu verringern, kann er nach einiger Zeit den Topf relativ gefahrlos öffnen. Auch wenn er dabei vielleicht scherzhaft mit dem Dampf in Berührung kam, kann er erst jetzt die wertvollen Dinge entdecken, die auf dem Boden des Topfes für ihn bereitliegen. Nur wer durch Hass, Angst und Eifersucht hindurchgegangen ist, wird vorher verschüttete Fähigkeiten in sich finden, die endlich zur Geltung kommen können, auch die Kraft zu wirklicher Liebe. Diese Kraft erwächst nur aus der Möglichkeit, sich selbst zu lieben. Der Spruch von Jesus Christus, dass man seinen Nächsten lieben solle wie sich selbst, ist der Kern aller Liebe. Obwohl es sich dabei um eine Binsenweisheit handelt, die in allen wichtigen Religionen und Lebensphilosophien wiederkehrt, gibt es überwiegend Menschen, die sich selbst im Grunde ablehnen und weit davon entfernt sind, sich zu akzeptieren und zu lieben, geschweige denn ihren Nächsten. Der als Selbstliebe bezeichnete narzisstisch gefärbte Egoismus (was dann egozentrisch ist), ist damit natürlich nicht gemeint, denn er entspringt wie das Minderwertigkeitsgefühl dem tiefen Zweifel an sich selbst.

Nicht umsonst vermeidet es fast jeder, offen und ehrlich über sich selbst zu sprechen. „Wer über sich selbst reden will, muss zunächst einmal zu sich selbst stehen. Wer sich nicht selbst annehmen will, wird logischerweise auch nicht über sich reden. Eine Ausrede dafür, wie fehlendes Vertrauen, findet sich immer.“

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