In Liebe verzeihen

Fachpraxis für systemische Paarberatung und systemische Sexualberatung

In der Liebe Vergeben bedeutet - verzichten

Wer vergibt, verzichtet auf etwas, das ihm eigentlich zustünde. Auch »verzeihen« bedeutet vom Wortsinn her ursprünglich: verzichten. Vergeben besteht aus der Vorsilbe »ver-« und dem Verb »geben«. Die Vorsilbe »ver-« bedeutet in unserem Fall »weg-«, so wie im Wort »verschenken« oder »veräußern«. Wer etwas vergibt, gibt etwas her: einen Anspruch, den er gegenüber einem anderen Menschen hat oder zu haben glaubt. Einen Anspruch auf Sühne, auf Strafe, auf irgendeine Art von Wiedergutmachung des Unrechts, das der andere mir angetan hat. Wer vergibt, schenkt also dem anderen etwas.

Loslassen

Wer vergibt, lässt etwas los. Er lässt das schwere Paket los, das er mit sich trägt — Gefühle wie Hass, Bitterkeit, Wut, Groll, Enttäuschung. Wer dieses Paket nicht loslässt, muss es zwangsläufig tragen, nachtragen: demjenigen, der uns Böses angetan hat. Wer nicht vergibt, ist also nachtragend — und muss dementsprechend schwer schleppen. »Am Nachtragen schleppen wir uns noch zu Tode«, sagte einmal eine erfahrene Seelsorgerin.
Ob der, der die Kränkung zugefügt hat, an der Last seines Unrechts schwer trägt, ist oft nicht erkennbar. Wer aber gewiss schwer daran trägt, ist der gekränkte Mensch. Er meint vielleicht, den Verletzer damit zu strafen, dass er ihm nicht einfach vergibt — doch der eigentlich Gestrafte ist in erster Linie er selbst. Der Gekränkte weiß meist nicht, ob der andere etwas davon ahnt, wie tief er ihn verletzt hat, ob ihm bewusst ist, wie sehr er ihm grollt. Und - falls er es weiß - ob es ihn überhaupt belastet oder gar peinigt. Der Verletzte hat das in der Regel auch nicht in der Hand und kann es oft nicht wesentlich beeinflussen.
Der einzige Mensch, auf den wir wirklich Einfluss haben, sind wir selbst. Was mit den anderen geschieht, können wir häufig gar nicht mehr in Erfahrung bringen. Sei es, dass man einander aus dem Weg geht, sei es, dass der "Täter " über alle Berge ist, wir keinen Kontakt mehr zu ihm haben, oder sei es, dass er sich nichts von seinen Gefühlen anmerken lässt — wie es in ihm aussieht, bleibt ein großes Rätsel für den, der gekränkt wurde. Seine Hoffnung, es durch Nachtragen dem Schädiger möglichst schwer zu machen, ihn womöglich zur Reue zu zwingen, lenkt deshalb vom eigentlichen Drama ab: dass er es auf jeden Fall sich selbst schwer macht. Denn er ist es schließlich, der die Last trägt. Der andere und sein Unrecht rutschen ihm eben nicht den Buckel hinunter, auf jeden Fall nicht von selbst. Der Gekränkte ist es, der loslassen muss.

Die giftige Schlange

Stellen Sie sich für einen Moment vor, dass Ihnen auf einem Campingausflug eine giftige Schlange in den Schlafsack kriecht und beißt. Und dann nehmen wir an, dass, nachdem die Wunde versorgt wurde, Sie sich auf die Suche nach der Schlange machen und sie fangen. Sie nehmen sie mit nach Hause und halten sie als Haustier. Immer wieder nehmen Sie sie heraus und spielen mit ihr und lassen sich wieder beißen. Was würden Sie von mir denken?
Aber das ist genau das, was einige Menschen mit der " Giftschlangen der unfairen Behandlung" machen. Anstatt sie zu zerstören, bewahren sie sie auf, damit sie andere damit verletzen können. Durch Vergebung werden wir diese Giftschlangen los, die uns immer wieder verletzt."Dein eigenes Gedächtnis ist eine Wiederholung der Verletzung - ein Videoband innerhalb deiner Seele, das immer wieder deine alte Begegnung mit dem Schmerz abspielt. Du kannst es nicht abschalten. Du bist darin gefangen wie ein Schmerz-Junkie; du wirst abhängig von der Erinnerung des vergangenen Schmerzes. Es tut dir immer wieder weh, wenn deine Erinnerung dieses Band abspielt. Der einzige Weg, diesen Schmerz zu heilen, der nicht von selbst heilen kann, ist: Der Person zu vergeben, die dich verletzt hat.

Vergebung stoppt das Wiederabspulen des Schmerzes.

Vergebung heilt deine Erinnerung, weil sie deine Erinnerungs-Vorstellung verändert. Wenn du den, der falsch gehandelt hat, vom falschen Tun lostrennst, dann schneidest du einen bösartigen Tumor aus deinem Inneren.
Du setzt einen Gefangenen frei, aber du bemerkst, dass der wirkliche Gefangene du selbst warst.

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Bernd Nickel Systemischer Berater Mitglied im Berufsverband DGSF und VFP

Bernd Nickel (Autor)

zertifizierter systemischer Paartherapeut, Paarberater, Paarcoach,
Mitglied in den Berufsverbänden DGSF und VFP