Paradoxe - Liebe und Macht

In der gelebten Realität ist Liebe jedoch etwas sehr Egoistisches und eher von Nehmen geprägt

Eigentlich ist Liebe ein völlig uneigennütziges Gefühl des Gebens

Der Wunsch, es möge dem geliebten Menschen gut gehen. Und das Bestreben, hierzu beitragen zu können.
In der gelebten Realität ist Liebe jedoch etwas sehr Egoistisches und eher von Nehmen geprägt. Der andere Mensch wird nicht um seiner selbst willen geliebt, sondern meist nur, weil er gewisse Bedürfnisse und Wünsche befriedigt.
Hier liegt das beeindruckende Paradoxon vor, den Menschen zum Partner zu wählen, der genau die Eigenschaften besitzt, die man in sich selber nicht zu integrieren weiß. Das, was man aber in sich selbst ablehnt, kann auch von Anderen schlecht akzeptiert werden.
Nach anfänglicher Verliebtheit, die vom Glauben und der Hoffnung an die persönliche Ergänzung geprägt ist, kommt bald die Konfrontation mit genau den Punkten, die störend wirken und nicht angenommen werden können – das Beziehungsdrama nimmt seinen Lauf.
Es wird versucht, den Partner nach eigenen Vorstellungen zu verändern, damit Bedürfnisse und Erwartungen erfüllt werden. Der Satz „Wenn du mich liebst, dann….“ wird als Druckmittel eingesetzt, um dem Partner ein schlechtes Gewissen zu suggerieren und die Erfüllung eigener Wünsche durchzusetzen. Dies stößt natürlich auf Ablehnung und Gegenwehr, oder auch wiederum Manipulation durch den Partner im Gegenzug.
Auf dieser Basis wächst alles – mit Liebe hat dies jedoch nichts zu tun.

Was also tun, um wirklich zu lieben?

Das Drama dauert so lange an, bis der Mensch keinen Anderen mehr braucht, der eigene Persönlichkeitsanteile für ihn lebt. Die Aufgabe, diese Anteile in sich selbst zu wecken, anzuerkennen und auch zu verwirklichen, liegt in jedem von uns selbst.
Sich vor dieser Aufgabe zu drücken und eine Trennung vom Partner zu wählen, ist keine wirkliche Lösung. Die innere Problematik führt allenfalls dazu, ganz intuitiv erneut einen Partner zu wählen, mit dem die alte Problematik im neuen Kleid wiederholt wird.
Konstruktiver ist es daher, sich der Aufgabe zu stellen und sich die Frage zu stellen „Was habe ich selbst mit diesem Konflikt zu tun?“
Natürlich ist es sehr leicht und vor allem bequem, den Partner für den Konflikt oder unerfüllte Erwartungen verantwortlich zu machen.
Wir könnten ihn ausschweifend analysieren, genau benennen, wo seine angeblichen Probleme liegen und ein Buch darüber schreiben, was er braucht, um zu wachsen. Der Partner scheint der „Schuldige“ zu sein und so suchen wir meist auch die Lösung in einer Veränderung des Partners und nicht in unserer eigenen.
Den Schmerz, den wir in Konflikten erleben, haben wir jedoch selbst in die Beziehung mitgebracht, und wir haben uns den Partner gesucht, der uns wieder in Kontakt mit unserer alten Verletzung bringt.
Diese alte Verletzung will gefühlt und beachtet werden, damit sie geheilt werden kann. Wir müssen daher lernen, dass unser Partner zwar die Verletzung auslöst, aber der Schmerz, den wir spüren, schon lange in uns ist und jetzt endlich verabschiedet werden will.
Eine erfolgreiche, harmonische Beziehung, kann also nur dann wieder entstehen, wenn beide Partner aus ihr lernen und gewinnen.
Ab dem Moment, wo wir unser Gegenüber objektiv sehen und nicht als „Wunscherfüller“ für die Befriedigung eigener, unbearbeiteter Anteile betrachten, entsteht innere Freiheit, Toleranz – und vor allem wahre Liebe.

 
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Bernd Nickel und Doris Nickel
Zertifizierte systemische Berater, Coach und Paartherapeut
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