Treue in einer Paarbeziehung

Eine Wurzel dieser Doppelmoral könnte in der männlichen Minderwertigkeitsgeschichte liegen.

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Treue ist laut Wikipedia eine Tugend, welche die Verlässlichkeit eines Akteurs gegenüber einem anderen Menschen, einem Kollektiv oder einer Sache ausdrückt. Im Idealfall basiert sie auf gegenseitigem Vertrauen beziehungsweise Loyalität. In der westlichen Tradition der partnerschaftlichen Moral stellt die Treue zu dem Partner einen hohen Wert da. Allerdings nicht nur in Punkto Verlässlichkeit und Verbindlichkeit, sondern es wird in der Regel darunter die sexuelle oder emotionale Enthaltsamkeit gegenüber dritten Personen verstanden. Unter Un-Treue versteht man folgend einen Seitensprung oder eine Affäre als Ehe-Bruch. Es gab Zeiten, als diese sogenannte Un-Treue, dieser Ehe-Bruch als schuldhaftes Verhalten gesehen wurde und zur Auflösung der Ehe geführt hat. In jeder Mono-Religion wird dies zudem als Tot-Sünde = Wollust (luxuria) betrachtet. Im Abendland, also im Christentum, beruft man sich hier auf das sogenannte sechste Gebot, du sollst nicht ehebrechen.  Wenn man jedoch hier ein Blick in die Geschichte dieser 10 Gebote richtet, wurde dieses Gebot in der Zeit geschrieben und festgehalten, als ein Mann mehrere Frauen geehelicht hatte bzw. dies konnte, wenn er es sich leisten konnte. Was da heißt, du sollst nicht ehebrechen galt ausschließlich für die Frau.

Eine Wurzel dieser Doppelmoral könnte in der männlichen Minderwertigkeitsgeschichte liegen. Was ja heute noch gilt. Warum sonst, dürfen Frauen in den Mono-Religionen keine religiösen Ämter haben. Warum hat zum Beispiel die katholische Kirche über Jahrhunderte hinweg Frauen als Hexen verbrannt. Noch heute verdammen viele der sogenannten christlichen Kirchen Ehebruch, aber was ist denn mit dem 1000fach vertuschten Kindesmissbrauch durch Priester, Lehrer oder anderen Erziehungsberechtigten?

In der Vergangenheit bekamen die Frauen einen Keuschheitsgürtel, Männer natürlich nicht. In vielen Ländern der Welt werden heute noch Frauen für den Ehe-Bruch gesteinigt, Männer natürlich nicht. Im Gegenteil denken Sie nur einmal an das Imponiergehabe vieler Männer, nicht nur an Stammtischen. Dann noch ein weiterer Aspekt durch den Sittenführer der christlichen Kirche, die sich selbst Religion der Liebe nennt. In unzähligen Nonnenklöstern wurden und werden noch heute Skelette von Kinderleichen gefunden. Wo war hier die Verurteilung des Ehe-Bruches? Da könnte man zum Schluss kommen, dass es die Kirche mit dem 6. Gebot wohl nie so ernst genommen hat. Aber die westliche Welt klammert sich daran, wie an kein anderes Gebot und es wird bis heute häufig genutzt, um einen Seitensprung oder Affäre zu verurteilen.

Aber was könnte noch der Grund sein, warum man sich so auf das 6. Gebot beruft und unausgesprochen von einer monogamen Beziehung ausgeht? Warum könnte ein Seitensprung des Partners, der Partnerin mit einem Dritten ein alarmierender Einbruch in den Schutzraum der Partnerschaft sein und warum wird er meist als verletzend, demütigend und/oder zerstörerisch erfahren? Schauen wir einmal genauer darauf.

Was beinhaltet der Wunsch nach Treue, als ein „only you“ in der sogenannten Liebe

  • Steckt da nicht die Aufforderung darin „Bitte verlasse mich nicht“?
  • Stecken da nicht die pure Verlustangst und das pure mangelnde Selbstbewusstsein darin? Die Angst der Seitensprung könnten attraktiver sein.
  • Steckt da manchmal nicht ein Stück Neid darin, dass der Partner was erlebt hat
  • Warum kann man einen Seitensprung oder eine Affäre einem Partner/Partnerin nicht gönnen?

Hier kommt das sogenannte „Innere Kind“ voll zum Ausbruch. Die in der Eifersucht enthaltende Forderung „Bitte verlass mich nicht“ ist ein elementarer Wunsch, den Kinder an die Eltern richten. Denn in der Kindheit ist es einfach elementar wichtig, dass die Bindung zwischen Kind und Eltern sicher ist. Dort gehört auch das dort selbstverständliche Versprechen der Eltern „Ich halte zur dir, ich verlasse dich nicht, du wirst nicht allein gelassen". Diesem Verhältnis liegt eine lebenswichtige Abhängigkeit zu Grunde. Das Eltern-Kind-Verhältnis zeigt eine klare Asymmetrie: Ohne die Eltern ist das Kind vom Tod bedroht. Das steckt in unseren Genen.

Wie sah es in den früheren Jahren in der Partnerschaft aus?

Dort war auch eine Asymmetrie zu sehen und zu spüren, die noch bis in die 60er-Jahre herrschte. Der Mann war meist der Alleinverdiener und die Frau war abhängig. Es war fast normal, dass der gut verdienende Mann eine Geliebte hatte und dass es die Frau duldete. Was blieb ihr auch anders übrig. Sie war vom Mann finanziell abhängig.  Es war oft ein gutes Geschäft, der Mann gab der Frau die materielle Sicherheit und die Frau gab dem Mann die Freiheit. Das ist ja bis heute zum Beispiel beim Adel zu sehen, wobei es hier nicht ausschließlich der Mann, sondern meist der jeweils finanziell unabhängige Partner ist, aber auch bei den amerikanischen Präsidenten und dies nicht nur bei John F. Kennedy, William „Bill“ Jefferson Clinton oder D. Trump.

Wie sieht es in den aktuellen Jahren in der Partnerschaft aus?

Heute ist sind die Partnerschaften bewusst und gewollt symmetrisch, sprich man legt Wert auf eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Also gleichwertige und gleichberechtigte Partner. Wenn es also bei zwei unabhängigen Partnern auf Augenhöhe Treue geben soll, dass kann dies ein berechtigter Wunsch sein, aber bestimmt keine Forderung. Der Wunsch „ich möchte, dass du mich nicht verlässt, ist selbstverständlich und legitim. Sofern man den Partner nicht unbedingt als seinen Besitz sieht, sondern die Treue als das sieht, was es im Ursprung bedeutet. Ich stehe zu dir, ich habe nicht vor dich zu verlassen, ich suche niemanden, um dich zu verlassen, ich bin verlässlich und stehe zu dir, ich bin loyal.

Ich sprach im Vorwort, darüber, dass jeder Mensch, jedes Paar, vereinbaren kann, was sie für richtig halten, dass aber alles einen Preis hat. Wobei ich da nicht von Geld rede.

Wenn ein Paar in gegenseitigem Einvernehmen die Monogamie vereinbart, wenn also sexuelle und emotionale Treue als Vereinbarung im Raum stehen, ist dies aus meiner Sicht der Versuch, Sicherheit auf Kosten der Lebendigkeit zu schaffen. In der Regel kommt heute eine Partnerschaft zustande, weil zwei Gleichberechtigte sich freiwillig zueinander bekennen und gemeinsam alt werden wollen. Wenn einer von beiden dann behauptet „Ohne dich kann ich nicht leben“ – „Du darfst mich nicht verlassen“ – „Ich brauch dich für mein Glück“ definiert er damit meiner Meinung nach seine Unreife und begibt sich damit in eine Abhängigkeitsbeziehung, die vorhin aufgezeigte Asymmetrie entsteht.

Nebenbei bemerkt: Wenn jemand in einer Beziehung den anderen braucht, ist er de facto Co-abhängig. Dann entsteht plötzlich eine Verbrauchergemeinschaft. Wenn ein Mensch einen anderen braucht, ist er vom Gegenüber abhängig, wie der Alkoholiker vom Alkohol. Es entsteht eine Sucht, die man dann Eifersucht nennt. Das hat dann auch nichts mehr mit Liebe zu tun. „Ich liebe Dich“ heißt dann nix anderes als „Ich will etwas von dir“.

Forderungen

Die Forderung nach Treue in Form von sexueller Treue, also ein „only you“ macht einen Erwachsenen wieder zum Kind, des Anderen. Ein Kind hat Angst, weil es ohne die Eltern oder ein Elternteil nicht überleben kann. Welcher Mann will mit der Tochter Sex haben, welche Frau will mit dem Sohn Sex haben? Wenn jemand Verlustangst hat, dann macht er sich nicht nur zum Kind, sondern bringt auch zwangsweise Eifersucht mit in die Partnerschaft. Die meist dann zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Was ich in meinem 70 Lebensjahren und vielen Praxisjahren erfahren habe, dass Eifersucht nicht nur zur sexuellen Unlust, sondern auch zu dem führt, wovor der Eifersüchtige Angst hat. Schon allein aus einem Grund, weil der Eifersüchtige das Thema omnipräsent hält. Wer gebunden werden soll, hat den Wunsch zu gehen. Das schreibt die ungeschriebene Selbstachtung so vor. Wer möchte schon in der Papa- oder Mama-Rolle zum Partner stehen?. Also kein Wunder, wenn Begehren und Sex keine bedeutende Rolle mehr spielen.

Je heftiger die Treue gefordert wird, je dramatischer die Eifersuchtstragödien inszeniert werden, desto größer und wichtiger lenkt der Autopilot den sich so bedrängt Fühlenden nach der eigenen Freiheit und eigenen Würde. Ein sexuelles Ausbrechen kann auch als Versuch gesehen werden, die Gleichberechtigung zwischen den Partnern wiederherzustellen. Zudem kommt auch der Gedanke. „Egal ob ich es mache oder nicht, mir wird es unterstellt und es gibt ein Drama. Also nehme ich mit, was mitzunehmen ist und habe wenigstens auch was Schönes. Schönen Sex daheim gibt es eh nicht bei dem ständigen Drama

Ich kenne in der Praxis einen Mann, der des Öfteren heimliche Seitensprünge tätigt. Nicht weil er die Frauen liebt oder weil es besonders geil ist, nein nur um sich zu beweisen, meine Frau hat mich nicht unter Kontrolle und ich zeige ihr, dass ich mich nicht kontrollieren lasse. Der Mann hat nie vor seine Frau zu verlassen. Mag sein, dass dies auch ein kindisches Verhalten ist. Aber der Wunsch nach Autonomie ist vorhanden und ist im Menschen.

In einer modernen Partnerschaft, in einer Partnerschaft, die nicht auf einem reinen Gegengeschäft beruht, wollen wir uns in einem gleichwertigen Gegenüber spiegeln. Jedes Verhalten, welches Asymmetrie generiert, untergräbt die Liebesbeziehung. Der Preis der Sicherheit ist die Lebendigkeit.

Jeder hat das Recht, sein Lebenskonzept leben zu wollen. Aber alles hat seinen Preis.

Ausnahme in der Regel

Aber wie jede Regel, gibt es Ausnahmen. Es gibt auch Partner, die einen eifersüchtigen Partner regelrecht brauchen. Die bekommen natürlich sehr viel (negative Zuwendung) und brauchen es, dass der Partner einen braucht. Wie schon erwähnt, bilden sie so eine Verbrauchergemeinschaft. Es hat alles seinen Preis.

Menschen mit Besitzanspruch am Partner, geplagt von Minderwertigkeitsgefühlen, Verlustängsten und Eifersucht, haben die öffentliche Moral wohl hinter sich und können ihre destruktiven Gefühle hinter gesellschaftlichen Normen, die zwar gepredigt, aber nicht selbst gelebt werden, verstecken. Das macht es aber nicht weniger zerstörerisch. Moral ist ein Trick, sich über andere zu erheben. Aber Überheblichkeit kommt zum Fall. Nun sind wir wieder bei einer sogenannten Todsünde = Hochmut (saligia).

Ich will hier nicht nur die Todsünden der christlichen Kirchen beschreiben, sondern auch aufzeigen, wie widersprüchlich das Ganze mit der Moral ist, auf die sich wieder die Spießbürger berufen.

Aber gleichzeitig gibt es ein Verhalten, das jeder in der Partnerschaft vom anderen erwarten könnte: Habe Achtung und Respekt für meinen Lebensweg, für meine Einstellung und lass mich sein, der ich bin. Hör auf, unsere Partnerschaft und mich nach deinen Vorstellungen zurechtzubiegen. Ich muss nichts, du musst nichts, vor allem müssen wir nicht alles gemeinsam machen. Keiner ist für das Glück des Anderen zuständig. Sich gegenseitig auch schöne Zeit außerhalb der Zeit zu zweit zu gönnen, wäre sehr förderlich.

  • Liebe ist ein Kind der Freiheit und der gegenseitigen Akzeptanz.
  • Liebe gönnt, dem etwas dem man sagt „Ich liebe Dich“
  • Liebe erfreut ich, wenn es dem anderen gut geht.

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