Die Liebe

Fachpraxis für systemische Paarberatung und systemische Sexualberatung

Die Liebe

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Die Liebe

Der Schüler geht zum Meister und fragt: „Ich such die Liebe! Woran erkenne ich sie, wie sieht sie aus?“

Der Meister antwortet:
„Male dir ein Bild von dem schönsten Mädchen. Male alle guten Eigenschaften hinein die du magst und ein paar schlechte, mit denen du leben kannst. Mache es bunt oder grau, ganz wie es dir beliebt. Dann schneidest du es aus und gehst damit in die Welt. Suche eine Frau, die in Größe und Form zu deinem Bild passt und hefte ihr dein Bild an – und du wirst deine Liebe finden.“
Der Schüler tat, wie ihm geheißen und er fand die Liebe.

Einige Jahre später traf er den Meister wieder. „Meister, sagte er, das Bild bekam lauter Löcher! Die Frau bohrte hier und da und malte neue Stellen hinzu. Nun ich kann meine Liebe nicht mehr erkennen. Das neue Bild gefällt mir nicht! Was soll ich tun?“
„Schick sie fort!“, sagte der Meister. Der Schüler tat es und war wieder allein.

Eines Tages traf er eine Frau, die sich am Wegesrand mit vielen kleinen und großen Päckchen abmühte. Sie sah zu ihm auf und sagte: „Du bist ein großer, starker Mann! Hilf mir meine Lasten zu tragen, ich werde dich dafür lieben und ehren!“.

Der Schüler fühlte, wie ihm bei Ihren Worten seine Kräfte bewusst wurden, ja zu wachsen schienen. Behende packte er alle Pakete auf seinen Rücken und die Frau noch auf seine Schultern hinzu. „ Wahrlich“, dachte er stolz als er mühelos die Straße entlang ging, „ ich bin es wert von ihr gepflegt und geehrt zu werden! Und sie ist eine so süße Last, die ich gerne auf mich nehme. Sie macht mich größer und stärker, als ich es je für möglich gehalten habe. Das muss die Liebe sein, endlich habe ich Ihr Gesicht erkannt.
Nach einer Weile wurde die Frau auf seinen Schultern immer schwerer und hier und da viel ihm eines der Päckchen von dem Rücken. Habe ich mich übernommen, fragte er sich. Das kann nicht sein, ich muss es schaffen, was soll sonst aus mir werden? Manchmal murrte die Frau auch auf, wenn er wieder etwas fallen ließ, aber weiterhin flüsterte sie ihm ihre Worte ins Ohr: Du bist doch so groß und stark, ich liebe dich! Und wieder spürte er die Kraft in seinen Gliedern und liebte sie wieder für ihre süßen Worte.
Eines Tages sagte die Frau: „Ich fühle mich gut, lass mich von deinen Schultern herab und ein Stück des Weges alleine gehen!“ „Das kannst du nicht“, entgegnete er entsetzt, „wer flüstert dann in mein Ohr, wer macht mich stark?“ Immer wieder ging es so und eines Tages kletterte die Frau wirklich von seinen Schultern. Nur um ein kleines Stück selber zu gehen. Der Schüler wurde böse und ärgerlich, aber die Frau sagte nur: „Es ist schön so!“ und sprang vergnügt umher, mal nah bei ihm, mal weit entfernt. Er aber wurde immer zorniger und fühlte sich immer schwächer, denn die Frau hatte immer weniger Zeit ihm die Kräfte spendenden Worte in sein Ohr zu flüstern. „Sie ehrt mich nicht mehr“, dachte der Schüler traurig und spürte schwer die Last der getragenen Pakete. „Was soll ich mit ihr anfangen? Die Liebe ist fort!“ Er schüttelte heftig alle Pakete von sich ab und verließ sie.
Eines Tages setzte er sich an das Ufer eines klaren Sees. Lange saß er so da, scheinbar untätig und ohne sich zu rühren und erkannte die Züge seines Gesichts im Wasser. Er sah sein Gesicht, das ihm schön und ebenmäßig erschien. Irgendwann spürte er das Verlangen es zu berühren, doch als er seine Hand in das Wasser tauchte, zerfloss das Bild vor ihm zu einer Grimasse.
Erschrocken zog er die Hand zurück und wartete mit bebendem Herzen, bis das Bild vor ihm sich wieder glättete. Lange Zeit betrachtete er so sein Gesicht. Plötzlich fing das Wasser des Sees an zu fließen, einen unbekannten Abfluss entdeckend.
Der Mann nahm war, wie sich sein Spiegelbild verzerrte und veränderte, seine Ebenmäßigkeit verlor und geprägt war von der Struktur des fließenden Wassers. Unfähig sich zu bewegen starrte er hinein. Es blieb stets sein Gesicht in das er sah, deutlich konnte er seine Züge erkennen, doch schien es sich zu bewegen und zu verändern, wurde mal runzelig und mal glatt, schien mal traurig, mal lächelnd, von Wut verzerrt und friedlich. Er begann das Wechselspiel zu genießen. Nach einer Weile hatte er das Gefühl durch sein Spiegelbild hindurch zu Schauen, viel tiefer, als er jemals geschaut hatte.
„Ich schaue in meine Seele!“, dachte er, „und was ich sehe ist gut!“ Ein warmes Gefühl breitete sich in ihm aus und er wurde angenehm ruhig und zufrieden. Irgendwann wandte er den Blick ab von seinem Spiegelbild und schaute sich um. Das warme Gefühl tief in seinem Inneren blieb bestehen und er seufzte ob dieser Liebe, die er empfand.
Er stand auf und ging seinen Weg. Es begegneten ihm Männer, Frauen und Kinder und wenn er ihre Gesichter sah, dann konnte er erkennen, wem von ihnen das Gefühl, das er selbst spürte, schon einmal begegnet war. Es waren nicht immer die ebenmäßigsten Gesichter, es waren diejenigen, die offen und bewegt erschienen.
Auf einem Stein am Fluss sitzend sah er ein Weib. Sie hatte eine große Schale mit Wasser vor sich stehen und blickte hinein.
Er blieb stehen und schaute ihr zu. Er sah ihre Hand in das Wasser tauchen – und erschrocken zurückziehen, sah sie dann nach langem Zögern die Schale langsam in den Fluss ausgießen. Was sie sah und empfand? Er konnte es ahnen und das warme Gefühl in seinem Leib loderte auf als er sie lächeln sah. „Sie spürt es“, dachte er.
In einiger Entfernung ließ er sich unter einem Baum nieder. Wie schön währe es, wenn sie ihn ansehen würde, wie glücklich wäre er, wenn sie ihn auf seinem Weg begleiten würde. „Und wenn nicht?“, dachte er halblaut vor sich hin. „Dann werde ich sie noch eine Weile anschauen und wenn sie dann zwischen den Wanderern verschwindet, werde ich ihr doch immer mit dem auflodernden Gefühl in meinem Leib verbunden bleiben.“ Plötzlich spürte er eine Hand auf seiner Schulter und als er aufblickte, sah er in die Augen jener Frau. Er sah hinein und er sah durch sie hindurch. Ihm war, als flössen aus zwei Krügen ein unsagbar warmes Gefühl ineinander. Fließend, um sich zu verändern und zu bewegen – wie das Wasser.
„Die Liebe“, sagte der Meister, „ist nicht der goldene Schatz, den es zu finden und festzuhalten gilt! So wertvoll er auch ist, kann er doch zu einer schweren Last werden. Die Liebe ist wie das Wasser, das fließt und sich verändert und doch unablässig da ist. Sie bildet Bäche und Flüsse, Tümpel und Seen. Sie stürzt über Berge und fließt durch ruhige Täler. Willst du sie festhalten in einem Bild, so wird dir das nicht gelingen. Lass sie fließen, dann wirst du all ihre Gesichter kennenlernen und sie nie verlieren!“

Autor und Quelle unbekannt

 

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Bernd Nickel
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