Verbreitete Liebes-Mythen

Warum wir an Liebesmythen glauben und wie sie uns schaden

Verbreitete Liebes-Mythen – die Idee, Liebe folge bestimmten Regeln und „Geheimnissen“ – prägen unzählige Ratgeber. Doch genau diese Vorstellung kann Paare unter Druck setzen. Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Mythen besonders verbreitet sind, was Experten- und Laienideale unterscheidet und welche Sicht auf Liebe wirklich trägt.

Seiteninhaltsverzeichnis: Verbreitete Liebes-Mythen: Was wirklich trägt

5 Sterne Qualität: Kompetent – Nah – Menschlich
  1. Warum wir an Liebes-Mythen glauben und wie sie uns schaden
  2. Die „Geheimnisse der Liebe" – ein Buchmarkt im Überblick
  3. Der Machbarkeitswahn und seine Folgen
  4. Wie Expertinnen und Experten sich eine ideale Beziehung vorstellen
  5. Die zwei Formen der Liebe – ein historischer Blick
  6. Was Liebe wirklich trägt – ein systemischer Gegenentwurf
  7. Liebes-Mythen in der Paarberatung
  8. Häufige Fragen zu Liebes-Mythen
  9. Jetzt Unterstützung holen

Über 130 Paare und Einzelne aus der Pfalz, Deutschland, der Schweiz, Österreich und weltweit bewerten unsere Arbeit bei ProvenExpert mit 4,96 von 5 Sternen (Stand: jeweils aktuelle Bewertung bei ProvenExpert). Alle Bewertungen auf ProvenExpert ansehen

Alle Erst- und Abklärungsgespräche unterliegen unserer 100 % Zufriedenheitsgarantie. Systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule · über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten.


Warum wir an Liebes-Mythen glauben und wie sie uns schaden

Verbreitete Liebesmythen

Angeblich gibt es Geheimnisse und Spielregeln der Liebe, die sich offenlegen lassen. Liebe ist und bleibt jedoch ein Geheimnis – trotz aller wissenschaftlichen Untersuchungen. Lediglich die Frage, wie wir uns die Liebe erhalten können, ist kein Geheimnis: Lieben ist das einzige Mysterium, das sich erlernen lässt – so wird es zumindest von einigen Autoren und Paartherapeutinnen behauptet.

Machen Sie sich selbst ein Bild und bilden Sie sich Ihre Meinung. Seien Sie sich aber sicher: Es gibt nicht die Ultima Ratio, das letzte geeignete Mittel oder den letztmöglichen Weg.

Die „Geheimnisse der Liebe" – ein Buchmarkt im Überblick

Unzählige Fachleute behaupten: Die Liebe zwischen zwei Menschen folge bestimmten Regeln und Gesetzmäßigkeiten. Diese seien zwar mittlerweile gründlich erforscht, den meisten Partnern aber leider verborgen geblieben. Wüssten Liebende davon und würden sie ihr Verhalten danach ausrichten, stünde einer lebenslangen und zugleich intensiven Liebe nichts im Wege.

Wie ein kurzer Blick auf den Buchmarkt verdeutlicht, werden beziehungs- und arbeitswillige Partner reichlich mit „Geheimnissen" und allgemeingültigen Regeln der Liebe versorgt:

  • „Die sieben Geheimnisse der glücklichen Ehe" von John M. Gottman und Nan Silver
  • „Die 10 Geheimnisse ewiger Liebe" von Frank Naumann
  • „Die zehn Geheimnisse der Liebe" von Adam Jackson
  • „Geheimnisse der Liebe" von Peter Lauster
  • „100 Geheimnisse der Liebe" von Chuck Spezzano
  • „Die Kunst, den Mann fürs Leben zu finden" von Ellen Fein und Sherrie Schneider
  • „Wie Partnerschaft gelingt – Spielregeln der Liebe" von Hans Jellouschek
  • „Spielregeln der Partnerschaft" von Otto Brink
  • „Gelegenheit macht Liebe" von Michael Lukas Moeller
  • „Die fünf Säulen der Liebe" von Erich H. Witte und Helga Wallschlag
  • „Wenn die Liebe ein Spiel ist, sind dies die Regeln" von Cherie Carter-Scott

In jeder Buchhandlung ist man regelrecht von Glücksratgebern umzingelt. Diese Bücher, wissenschaftliche Untersuchungen und entsprechende Medienberichte haben in den vergangenen Jahrzehnten ihre Wirkung entfaltet. Verstärkt durch den allgemeinen Trend, das Leben in all seinen Teilbereichen zu „managen", ließen sie den Eindruck entstehen, Beziehungen und vor allem die Liebe wären willentlich gestaltbar.

Der Machbarkeitswahn und seine Folgen

Wer dem Machbarkeitsversprechen glaubt, für den ergeben sich ernsthafte Konsequenzen. Gelingt es ihm nicht, die hohen eigenen Ansprüche und die noch höheren der Beziehungsexpertinnen und -experten zu erfüllen, trägt er allein die Schuld am Zustand seiner Beziehung. Dann hat er „versagt", weil er die Regeln der Liebe außer Acht ließ – und quält sich fortan mit Selbstzweifeln. Weil er sich als beziehungsgestört oder beziehungsunfähig einordnet, sucht er intensivere Beziehungsarbeit.

Die Idee der gestaltbaren Beziehung ist keinesfalls harmlos. Sie ordnet die überwiegende Zahl der Partner einem riesigen „Heer von Beziehungsversagern" zu. Die meisten Menschen sind nämlich bereits ein- oder mehrmals geschieden, haben nie geheiratet, halten sich in unbefriedigenden Ehen auf, leben in serieller Monogamie, wählen außerhalb der Norm liegende Beziehungsformen oder verbringen ihren Alltag als unfreiwilliger Single. Tatsächlich gelingt es den meisten Partnern nicht, eine lebenslange und lebendige Liebe zu ein und demselben Menschen zu verwirklichen – ein Ideal, das ihnen ständig vorgehalten wird und das sie selbst begeistert hochhalten.

Glaubt man dem modernen Mythos Liebe, so liegt das ausschließlich an den Partnern selbst. Die Frage, ob ihre Schwierigkeiten struktureller Art sind, ob sich die Liebe unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen überhaupt in eine gewünschte Form und Dauer zwängen lässt, wird vor dem Hintergrund des Machbarkeitsglaubens nicht gestellt. Für viele Expertinnen und Experten scheint es nur diese „eine" Liebe zu geben.

Wie Expertinnen und Experten sich eine ideale Beziehung vorstellen

Wenn heute von Liebe oder Paarliebe gesprochen wird, ist damit oft die eine, alles umfassende Liebe gemeint. Diese Verbindung zweier Menschen deckt körperliche, emotionale, sinnliche, geistige, psychische und partnerschaftliche Aspekte der Liebe ab. Es entsteht der Eindruck, als gäbe es nur diese eine Form der Liebe.

Wir haben diese Vorstellung an anderer Stelle als den AMEFI-Komplex beschrieben – die „Alles-mit-einem-für-immer"-Vorstellung von Liebe. Mehr zu diesem Konzept und seinen vier Schwachstellen finden Sie im Beitrag Definition von Liebe.

Die zwei Formen der Liebe – ein historischer Blick

Früher wurde Liebe anders gesehen. Noch vor nicht allzu langer Zeit unterschied man zwei verschiedene Formen der Liebe. Darauf weisen unter anderem Philippe Ariès und Michel Foucault hin: Heutzutage übersehen wir gern ein Phänomen, das in der Geschichte der Sexualität bis ins 18. Jahrhundert hinein stets von größter Bedeutung war – den Unterschied nämlich, den die Menschen in nahezu allen Zeiten zwischen der Liebe in der Ehe und der Liebe außerhalb der Ehe gesehen haben.

Diese beiden Formen der Liebe – die partnerschaftliche in der Ehe und die leidenschaftliche außerhalb der Ehe – existierten mehr als zwei Jahrtausende in spannungsreicher Koexistenz nebeneinander. Das änderte sich erst mit den umfassenden wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen und dem Aufkommen des Bürgertums. Seither sind die beiden Liebesformen zu einer einzigen verschmolzen. Dem umfassenden Beziehungsideal folgend, versuchen die Menschen, sowohl die freundschaftlich-partnerschaftliche als auch die emotional-leidenschaftliche Liebe unter dem Dach ihrer Beziehung zu vereinen und dauerhaft zu halten.

Was Liebe wirklich trägt – ein systemischer Gegenentwurf

Was tatsächlich trägt, ist weder ein „Geheimnis" noch eine Spielregel. Es ist die Bereitschaft, die eigene Beziehung in ihrer je eigenen Form zu leben, statt sie an einem universellen Ideal zu messen. Dazu gehört, die unterschiedlichen Liebesarten – Eros, Philia, Storge, Pragma und Agape – als sich wandelndes Mischungsverhältnis anzuerkennen. Mehr dazu im Beitrag Definition von Liebe.

Auch verwandt ist unser Beitrag Bedingungslose Liebe – gibt es die wirklich? – beide Texte zeigen, wie überhöhte Erwartungen Beziehungen belasten und wie eine reifere, bewusste Form der Liebe entstehen kann.

Liebes-Mythen in der Paarberatung

In unserer Praxis erleben wir oft, dass Paare sich an Idealbildern messen, die kein Paar einlösen kann. Das erzeugt Selbstzweifel und Druck, ohne die Beziehung wirklich weiterzubringen. Wir analysieren nicht und bewerten nicht – wir machen sichtbar, welche Erwartungen mitwirken, und leiten daraus konkrete nächste Schritte ab.

Eine systemisch-lösungsorientierte Paarberatung arbeitet nicht mit Regeln, die man „nur richtig anwenden" müsste. Sie macht sichtbar, welche Dynamik gerade wirkt – und welche kleinen, konkreten Schritte für genau dieses Paar einen Unterschied machen. Mehr zu unserer Arbeit im Bereich Paarberatung.

Häufige Fragen zu Liebes-Mythen

Was ist der größte verbreitete Liebes-Mythos?

Der wohl größte Mythos lautet: Liebe folge festen Regeln, und wer sie kenne, könne Qualität und Dauer der Beziehung selbst bestimmen. Tatsächlich ist Liebe weder „Geheimnis" noch Bauplan – sie entfaltet sich in jedem Paar in einer je eigenen Form.

Schaden Beziehungsratgeber mit ihren „Geheimnissen"?

Sie können schaden, wenn sie suggerieren, jedes Beziehungsproblem sei „lösbar", sobald die richtigen Regeln befolgt würden. Daraus entsteht oft Druck und Selbstvorwurf – beides nährt Beziehungsprobleme eher, als sie zu lösen.

Was ist mit dem AMEFI-Ideal gemeint?

AMEFI – „Alles mit einem für immer" – beschreibt die Erwartung, ein einziger Mensch müsse alle Liebesarten dauerhaft und gleichzeitig erfüllen. Das überfordert viele Beziehungen. Reife entsteht oft, wenn Paare dieses Ideal loslassen.

Heißt das, Beziehungsarbeit ist sinnlos?

Nein – im Gegenteil. Sinnvoll ist Beziehungsarbeit, die das je eigene Muster eines Paares erkundet, statt allgemeine Regeln überzustülpen. Genau diesen Weg geht eine systemisch-lösungsorientierte Paarberatung.

Wann lohnt sich Paarberatung beim Thema Liebes-Mythen?

Wenn Sie merken, dass Sie sich an Idealen messen, die kein Paar einlösen kann, und das Druck oder Selbstzweifel erzeugt, lohnt ein begleitetes Gespräch. Gern Kontakt aufnehmen.

Jetzt Unterstützung holen

Wenn Sie sich von verbreiteten Liebes-Mythen und überhöhten Erwartungen lösen und Ihre Beziehung in ihrer eigenen Form leben möchten, begleiten wir Sie dabei – lösungsorientiert, ohne Bewertung und auf Augenhöhe.

Wir, Bernd und Doris Nickel, sind beide zertifizierte systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule (SI-HD, PD Dr. med. Arnold Retzer) und VFP-Mitglieder. Bernd Nickel ist zusätzlich Zertifikatsinhaber der systemischen Sexualtherapie (Prof. Clement, IGST-HD) und DGSF-Mitglied. Über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten sind die Grundlage unserer Arbeit. Unsere Tätigkeit ist Beratung und Begleitung – keine Heilkunde und keine Wohlfahrtspflege.

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Bernd Nickel: +49 151 42482481
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