Fachpraxis für systemische Paarberatung und systemische Sexualberatung
Gibt es den einen richtigen Partner? Den einen, für den man bestimmt ist und den man nur finden muss? Dieser romantische Gedanke ist tröstlich – und macht doch seit Jahrhunderten vor allem eines: unglücklich. Warum das so ist, und was wirklich trägt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Glaube an den einen, vom Schicksal bestimmten Partner ist ein Mythos – tröstlich, aber irreführend.
- Entscheidend ist nicht die Suche nach der einen Liebe, sondern die eigene Liebesfähigkeit: Wer lieben kann, wird lieben.
- Wir kommen nicht mit einem festen Liebeskontingent zur Welt. Nach einem Scheitern ist neue, tiefe Liebe möglich.
- Kein Mensch ist dafür da, uns dauerhaft glücklich zu machen. Diese Erwartung überlastet jede Beziehung.
Seiteninhaltsverzeichnis: Gibt es den einen richtigen Partner? Der Mythos
- Ein Mensch, eine einzige große Liebe? Woher der Mythos kommt
- Schicksal oder Liebesfähigkeit – wonach wir wirklich streben sollten
- Wir kommen nicht mit einem festen Liebeskontingent zur Welt
- „Kein Mensch ist dafür da, uns glücklich zu machen"
- Was hinter der Sehnsucht nach dem einen steckt
- Kann ein Partner wirklich alles sein?
- Was das für Ihre Beziehung bedeutet
- Häufige Fragen zum „einen richtigen Partner"
- Jetzt Unterstützung holen

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Ein Mensch, eine einzige große Liebe? Woher der Mythos kommt
In beinahe allen Filmen und Büchern wird die Liebe als schicksalhaftes Ereignis dargestellt: Wen wir wann und wo treffen, sei das Ergebnis einer schicksalhaften Wendung. Der berühmte Topf, für den es nur den einen passenden Deckel im Leben gibt. Wer gefragt wird, was er im Leben suche, antwortet nicht selten: „Den einen Partner, der für mich bestimmt ist."
Eng damit verbunden ist der in vielen Köpfen verankerte Grundsatz, es gebe für jeden Menschen nur einmal eine große Liebe. Wer dieser Liebe bereits begegnet und in der Beziehung gescheitert ist, müsste sich folgerichtig für alle Zeiten mit nachrangigen Liebesformen begnügen. Genau das ist ein Trugschluss – und ein Mythos, der Menschen unter Druck setzt.
Schicksal oder Liebesfähigkeit – wonach wir wirklich streben sollten
An das Schicksal zu glauben ist bequem, denn dann liegt nichts, was geschieht, in der eigenen Verantwortung. Doch die entscheidende Frage lautet nicht: Wo ist die eine große Liebe, nach der ich suchen muss? Sondern: Habe ich die Liebesfähigkeit, nach der ich streben sollte?
Wer lieben kann, wird lieben – und es ist erst einmal zweitrangig, wen. Nicht das Finden des richtigen Menschen entscheidet über das Glück, sondern die eigene Fähigkeit, sich einzulassen, zu binden und zugewandt zu bleiben. Diese Fähigkeit lässt sich entwickeln; die perfekte Passung dagegen lässt sich nicht erwarten.
Wir kommen nicht mit einem festen Liebeskontingent zur Welt
Ist eine Liebe gescheitert, gibt es keinen Grund, warum uns tief empfundene Gefühle gegenüber einem anderen Menschen auf Lebenszeit versperrt sein sollten. Wer liebt, verkauft nicht seine Seele. Wer fähig ist zu lieben, kann lebenslang lieben. Selbst an seinem letzten Lebenstag hat ein liebesfähiger Mensch die Chance, sich zu verlieben.
Wir kommen nicht mit einem festen Liebeskontingent auf die Welt, sondern mit der im Prinzip unerschöpflichen Fähigkeit, anderen Menschen intensive Liebesgefühle entgegenzubringen. Das nimmt der Vorstellung vom „einzig Richtigen" ihre Schwere: Nicht eine einmalige Chance steht auf dem Spiel, sondern eine lebenslange Fähigkeit.
„Kein Mensch ist dafür da, uns glücklich zu machen"
Der Arzt und Autor Dr. Eckart von Hirschhausen bringt es treffend auf den Punkt:
„Kein anderer Mensch ist dafür da, um uns glücklich zu machen. Die romantische Idee, dass es einen Richtigen gibt, den du nur finden musst, und dann ist das Glück auf Dauer garantiert, macht seit Jahrhunderten die Menschen nur eins: unglücklich! Mal ehrlich: Wie wahrscheinlich ist es, unter Milliarden Menschen den einzig richtigen zu finden – innerhalb der ersten 80 Lebensjahre? Weil es Perfektion nicht gibt, wir sie aber trotzdem erwarten, halten wir den Partner, den wir womöglich gerade haben, fest – und suchen heimlich weiter."
Genau diese heimliche Weitersuche ist das Gift. Wer den vorhandenen Partner nur festhält, bis vielleicht der „Richtigere" auftaucht, ist nie ganz da. Die Beziehung bekommt nie die Chance, zu der tragfähigen Liebe zu werden, die aus Verliebtheit erst entstehen kann – wie im Ratgeber Verliebtheit oder Liebe? Der Unterschied beschrieben.
Was hinter der Sehnsucht nach dem einen steckt
Hinter dem Glauben an die eine große Liebe steht meist eine tiefe Suche nach Geborgenheit und Sicherheit. Manche Psychologen bezeichnen das Festhalten an der einzigen großen Liebe sogar als „zwanghafte Fixierung". So weit würde ich nicht gehen – aber es lohnt sich, ehrlich hinzuschauen, welches Bedürfnis wir eigentlich stillen wollen.
Nicht selten wird gerade die Ungleichheit zweier Menschen als Beweis für die „eine" Liebe genommen: Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hält allem stand. Doch Sicherheit entsteht nicht dadurch, den einen Schicksalspartner gefunden zu haben, sondern dadurch, dass zwei Menschen sich bewusst füreinander entscheiden – immer wieder neu.
Kann ein Partner wirklich alles sein?
Viele leben mit der Vorstellung, die große Liebe müsse alles bieten: gute Gespräche, viel Nähe, guten Sex, Geborgenheit und Abenteuer – alles mit einer Person, für immer. Daraus entsteht eine ungenießbare Überlastung jeder normalen Beziehung. Wir müssen ein vernünftiges Verhältnis dazu finden, dass wir als Partner begrenzt sind und nicht alles leisten können.
Das ist keine Absage an Treue oder Verbindlichkeit, sondern eine Entlastung. Wer akzeptiert, dass ein Mensch nicht jede Sehnsucht erfüllen kann, hört auf, den Partner für die eigene Unvollständigkeit verantwortlich zu machen – und gewinnt Freiheit für das, was diese Beziehung wirklich trägt.
Was das für Ihre Beziehung bedeutet
Den Mythos vom einen richtigen Partner loszulassen, nimmt enormen Druck aus einer Beziehung. Nicht mehr die Frage „Ist das wirklich der Richtige?" steht dann im Vordergrund, sondern „Was können wir miteinander gestalten?" Das ist der Boden, auf dem aus einem Anfang eine dauerhafte Liebe werden kann.
Wenn Sie zwischen Zweifel und Festhalten feststecken, schauen wir in der Paarberatung wertfrei auf Ihr Zusammenspiel – im Hier und Jetzt. Und wo eine Verbindung wirklich nicht mehr trägt, begleiten wir auch achtsam durch eine Trennung. Beides beginnt damit, ehrlich hinzusehen, statt einem Ideal hinterherzulaufen.
Was uns bei diesem Thema leitet:
- Nicht die Suche nach dem einen entscheidet, sondern die eigene Liebesfähigkeit.
- Ein Partner muss nicht alles sein – diese Erwartung loszulassen entlastet.
- Wir bewerten nicht, sondern schauen auf das, was zwischen Ihnen beiden möglich ist.
Häufige Fragen zum „einen richtigen Partner"
Gibt es wirklich nur den einen richtigen Partner?
Nein. Die Vorstellung vom einen, vom Schicksal bestimmten Partner ist ein romantischer Mythos. Menschen kommen nicht mit einem festen Liebeskontingent zur Welt, sondern mit der Fähigkeit, immer wieder tief zu lieben – auch nach einem Scheitern.
Warum macht der Glaube an den einen Richtigen unglücklich?
Weil er Perfektion erwartet, die es nicht gibt. Wer heimlich weitersucht, ist in der bestehenden Beziehung nie ganz da. Der Druck, den „einzig Richtigen" gefunden haben zu müssen, verhindert, dass eine Liebe in Ruhe wachsen kann.
Kann nach einer gescheiterten großen Liebe noch einmal echte Liebe kommen?
Ja. Wer fähig ist zu lieben, kann lebenslang lieben – selbst am letzten Lebenstag. Eine gescheiterte Beziehung versperrt tiefe Gefühle für einen anderen Menschen nicht auf Lebenszeit.
Muss mein Partner alle meine Bedürfnisse erfüllen?
Nein, und diese Erwartung überlastet jede Beziehung. Kein Mensch kann alles sein. Zu akzeptieren, dass wir als Partner begrenzt sind, entlastet und schafft Freiheit für das, was wirklich verbindet.
Wie hilft eine Paarberatung, wenn wir am Ideal des Richtigen zweifeln?
In der Paarberatung nehmen wir den Druck des Ideals heraus und schauen wertfrei auf Ihr Zusammenspiel. So wird sichtbar, was zwischen Ihnen tatsächlich möglich ist – jenseits der Frage, ob der andere „der Richtige" ist.
Jetzt Unterstützung holen
Wenn Sie zwischen Zweifel, Ideal und Festhalten feststecken, begleiten wir Sie gern dabei, den Druck des „einen Richtigen" loszulassen und zu sehen, was Ihre Beziehung wirklich trägt – wertfrei, systemisch und auf Augenhöhe.
Wir, Bernd und Doris Nickel, sind beide zertifizierte systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule (SI-HD, PD Dr. med. Arnold Retzer) und VFP-Mitglieder. Bernd Nickel ist zusätzlich Zertifikatsinhaber der systemischen Sexualtherapie (Prof. Clement, IGST-HD) und DGSF-Mitglied. Über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten sind die Grundlage unserer Arbeit. Unsere Tätigkeit ist Beratung und Begleitung – keine Heilkunde und keine Wohlfahrtspflege.
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