Fremdgegangen – was jetzt?

Ursachen, Folgen und Wege aus der Krise

Fremdgegangen – was jetzt? Zwischen dem Ereignis und der ersten ruhigen Minute liegen für viele Menschen Wochen. Reden oder schweigen, sich stellen oder abwarten – für keine dieser Fragen gibt es eine allgemeingültige Antwort. Sortieren lässt sie sich trotzdem.

5 Sterne Qualität: Kompetent – Nah – Menschlich

Seiteninhaltsverzeichnis: Fremdgegangen: beichten oder schweigen? | Paarberatung

  1. Sie sind fremdgegangen – und kommen nicht zur Ruhe
  2. Beichten oder schweigen – die Frage ohne Standardantwort
  3. Wenn Sie sich für ein Gespräch entscheiden
  4. Schuldgefühle aushalten, ohne sich selbst zu zerlegen
  5. Womit Sie nach einem Geständnis rechnen können
  6. „Einmal untreu, immer untreu“ – was daran nicht stimmt
  7. Verantwortung übernehmen statt sich verurteilen
  8. Häufige Fragen, wenn Sie fremdgegangen sind
  9. Jetzt Unterstützung holen

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Alle Erst- und Abklärungsgespräche unterliegen unserer 100 % Zufriedenheitsgarantie. Systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule · über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten.


Sie sind fremdgegangen – und kommen nicht zur Ruhe

Menschen, die uns mit diesem Thema aufsuchen, kommen selten mit einer Frage. Sie kommen mit einem Zustand: Der Kopf arbeitet ununterbrochen, jedes Klingeln des Telefons löst etwas aus, und das eigene Verhalten fühlt sich auf einmal beobachtet an. Manche haben seit Wochen nicht durchgeschlafen.

Dazu kommt eine Einsamkeit, über die kaum jemand spricht. Wer betrogen wurde, kann sich Freunden anvertrauen und darf mit Mitgefühl rechnen. Umgekehrt schweigt meistens, wer selbst gehandelt hat – aus Scham, aus Angst vor dem Urteil anderer, manchmal auch, um niemanden zum Mitwisser zu machen.

Diese Seite verurteilt Sie nicht. Sie klärt keine Schuld und liefert keine Bewertung Ihrer Person. Sortiert werden hier die Fragen, die jetzt anstehen, damit Sie eine Entscheidung nicht unter Druck treffen müssen.

Beichten oder schweigen – die Frage ohne Standardantwort

Hierzu gehen die Meinungen weit auseinander, auch unter Fachleuten. Manche Menschen vertreten die Haltung, was der andere nicht wisse, könne ihn nicht verletzen. Andere empfinden schon die Möglichkeit, hinter dem Rücken getäuscht zu werden, als den eigentlichen Vertrauensbruch – unabhängig davon, was tatsächlich geschehen ist.

Beide Positionen haben ihre Berechtigung, und keine von beiden lässt sich verallgemeinern. Was für ein Paar stimmig ist, hängt davon ab, worauf seine Verbindlichkeit gebaut ist. Genau deshalb ist die nützlichere Frage nicht „soll ich es sagen“, sondern: Wozu würde ich es sagen?

Drei Fragen zum Innehalten

Was soll das Gespräch bewirken – Entlastung für Sie, Klarheit für beide, oder eine Entscheidung über die Zukunft?

Wenn Sie schweigen: Was müssten Sie dauerhaft mit sich tragen, und trauen Sie sich das zu?

Angenommen, Sie erführen dasselbe von Ihrem Partner – was würden Sie sich wünschen?

Manche Paare treffen eine ausdrückliche Vereinbarung darüber, bevor es einen Anlass gibt. Das klingt nüchtern, erspart im Ernstfall aber die Ratlosigkeit. Wie unterschiedlich Menschen Treue überhaupt definieren, beschreibt der Beitrag Seitensprung – Affäre und Treue.

Wenn Sie sich für ein Gespräch entscheiden

Der Zeitpunkt trägt viel. Ein Geständnis zwischen Tür und Angel, kurz vor einem Termin oder spät in der Nacht, nimmt dem anderen jede Möglichkeit zu reagieren. Wählen Sie eine Situation, in der beide anschließend Zeit haben – und in der niemand sonst im Haus ist.

Ebenso trägt die Reihenfolge. Wer mit einer Erklärung beginnt, wirkt schnell so, als suche er nach Entlastung. Umgekehrt bekommt Ihr Gegenüber zuerst die Tatsache und danach den Zusammenhang, wenn Sie mit dem beginnen, was geschehen ist. Erklärungen sind wichtig, aber sie kommen später.

Halten Sie aus, dass Ihr Gegenüber Fragen stellt, deren Antworten wehtun. Details zurückzuhalten, um zu schonen, wirkt fast immer wie ein zweiter Vertrauensbruch, sobald sie später doch auftauchen. Umgekehrt gilt: Sie müssen nicht jede Einzelheit ungefragt ausbreiten.

Schuldgefühle aushalten, ohne sich selbst zu zerlegen

Scham, Schuldgefühle und die Angst, alles verloren zu haben, treten selten einzeln auf. Viele Menschen beschreiben in dieser Phase ein regelrechtes Kreisen: die Szene wieder und wieder durchgehen, sich beschimpfen, sich Vorsätze abringen und am nächsten Morgen von vorn beginnen.

Dieses Kreisen fühlt sich nach Wiedergutmachung an, ist aber keine. Es bindet Kraft, die an anderer Stelle benötigt wird – für das Gespräch, für die Entscheidung, für den Alltag. Sich selbst zu bestrafen verändert nichts an dem, was geschehen ist, und hilft der anderen Person nicht.

Hilfreicher ist die Unterscheidung zwischen zwei Sätzen. „Ich habe etwas getan, das jemanden verletzt hat“ beschreibt eine Handlung und lässt Veränderung zu. Dagegen beschreibt „Ich bin ein schlechter Mensch“ eine Identität und lässt gar nichts zu. Der erste Satz ist der brauchbarere.

Womit Sie nach einem Geständnis rechnen können

Die erste Reaktion sagt wenig über die zweite aus. Manche Menschen werden sehr ruhig, manche laut, manche stellen stundenlang Fragen, manche verlassen die Wohnung. Beobachtungen aus der Beratung zeigen: Wer zuerst gefasst wirkt, bricht oft Tage später ein – und umgekehrt.

Rechnen Sie mit Wiederholungen. Dieselben Fragen werden mehrfach gestellt, oft wortgleich, manchmal über Monate. Das ist kein Misstrauen gegen Sie persönlich, sondern der Versuch, ein Bild wieder zusammenzusetzen, das zerfallen ist. Wie sich das beim verletzten Partner anfühlt, beschreibt der Beitrag Eifersucht nach Fremdgehen.

Und rechnen Sie damit, beobachtet zu werden. Ihr eigenes Verhalten wird für eine Weile unter einem Vergrößerungsglas liegen – was daran typisch ist und was daran überinterpretiert wird, ordnet Typisches Verhalten nach dem Fremdgehen ein.

„Einmal untreu, immer untreu“ – was daran nicht stimmt

Dieser Satz begegnet uns regelmäßig, meist ausgesprochen von der Person, die ihn auf sich selbst anwendet. Er klingt nach einer Naturgesetzlichkeit, ist aber vor allem eine Prognose – und Prognosen über Menschen haben die unangenehme Eigenschaft, sich selbst zu bestätigen, wenn man ihnen glaubt.

Manche Menschen erleben eine einzelne Situation, die aus einem bestimmten Zusammenhang entstand und sich nicht wiederholt. Andere erkennen ein Muster, das sich über mehrere Beziehungen zieht. Zwischen beidem liegt ein erheblicher Unterschied, und den erkennt man nicht am Etikett, sondern an der Geschichte.

Wo sich ein Muster zeigt, lohnt der Blick auf Nähe und Distanz. Nicht selten steht hinter wiederholten Grenzüberschreitungen weniger die Anziehung nach außen als die Bewegung weg von zu viel Verbindlichkeit. Die Ursachen dieser Bewegung ordnet der Beitrag Fremdgehen – Ursachen und Bedeutung ein.

Verantwortung übernehmen statt sich verurteilen

Verantwortung heißt, für die Wirkung des eigenen Handelns einzustehen: Fragen zu beantworten, Nachfragen auszuhalten, Absprachen einzuhalten. Sie bedeutet nicht, sich dauerhaft klein zu machen, jede Bitte zu erfüllen oder auf eine eigene Sicht zu verzichten.

Diese Unterscheidung ist praktisch bedeutsam. Paare, in denen eine Person auf Dauer in der Rolle der Schuldigen bleibt, finden erfahrungsgemäß nicht zurück in ein Gleichgewicht. Der eine bleibt Ankläger, der andere Büßer – und beide verlieren die Beziehung, die sie eigentlich retten wollten.

Ob Vergebung möglich ist und was sie überhaupt bedeutet, ist die Frage der anderen Seite. Beschrieben wird sie unter Affäre verzeihen – geht das?. Wenn Sie kurzfristige Begleitung suchen, finden Sie das Angebot unter Seitensprung – fremdgegangen und jetzt?.

Häufige Fragen, wenn Sie fremdgegangen sind

Soll ich meinem Partner sagen, dass ich fremdgegangen bin?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Nützlicher als die Frage nach dem Ob ist die Frage nach dem Wozu: Soll das Gespräch Sie entlasten, Klarheit für beide schaffen oder eine Entscheidung vorbereiten? Aus der Antwort ergibt sich meist von selbst, was zu Ihrer Situation passt.

Wie formuliere ich ein Geständnis?

Beginnen Sie mit dem, was geschehen ist, nicht mit der Erklärung dafür. Wählen Sie einen Zeitpunkt, an dem beide anschließend Zeit haben. Halten Sie Nachfragen aus, auch unangenehme – Details, die später auftauchen, wirken wie ein zweiter Vertrauensbruch.

Was, wenn mein Partner gar nicht mit mir spricht?

Schweigen ist eine häufige erste Reaktion und selten dauerhaft. Es benötigt Zeit, ein zerfallenes Bild wieder zusammenzusetzen. Drängen verlängert diese Phase meist. Ein Angebot, jederzeit zur Verfügung zu stehen, trägt weiter als wiederholtes Nachfassen.

Warum fühle ich mich schuldig, obwohl längst alles vorbei ist?

Weil Schuldgefühle sich nicht an Zeiträume halten. Sie melden sich besonders dann, wenn die Sache ungesprochen bleibt. Entscheidend ist, ob Sie das Gefühl in Handlung übersetzen können – oder ob es sich in ein Kreisen verwandelt, das nichts verändert.

Kann eine Paarberatung helfen, wenn nur ich ein Problem sehe?

Ja. Viele Menschen kommen zunächst allein, um zu sortieren, bevor sie überhaupt entscheiden, ob und wie sie sprechen wollen. Was wir dabei anbieten und was ausdrücklich nicht, beschreibt unsere Paarberatung.

Jetzt Unterstützung holen

Sie möchten sortieren, bevor Sie handeln – ohne Bewertung und ohne Ratschlag von außen? Ein Erst- und Abklärungsgespräch ist einzeln möglich, auch wenn Ihr Partner nichts davon weiß.

Wir, Bernd und Doris Nickel, sind beide zertifizierte systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule (SI-HD, PD Dr. med. Arnold Retzer) und VFP-Mitglieder. Bernd Nickel ist zusätzlich Zertifikatsinhaber der systemischen Sexualtherapie (Prof. Clement, IGST-HD) und DGSF-Mitglied. Über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten sind die Grundlage unserer Arbeit. Unsere Tätigkeit ist Beratung und Begleitung – keine Heilkunde und keine Wohlfahrtspflege.

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