In der Paarbeziehung eine Affäre verzeihen

Hilfe – die Affäre ist aufgeflogen!

Affäre verzeihen – geht das? Die Frage stellt sich meist, bevor sie beantwortbar ist. Zwischen dem Wunsch, wieder vertrauen zu können, und der Fähigkeit dazu liegt eine Strecke, die niemand abkürzen kann. Über das, was auf dieser Strecke wirklich passiert.

5 Sterne Qualität: Kompetent – Nah – Menschlich

Seiteninhaltsverzeichnis: Affäre verzeihen: Vertrauen wieder aufbauen | Paarberatung

  1. Die ersten Tage, in denen nichts sortiert ist
  2. Verzeihen ist keine Entscheidung, die man einmal trifft
  3. Das Gespräch, das beide aushalten müssen
  4. Wie Vertrauen tatsächlich zurückkommt
  5. Verzeihen, aber nicht vergessen
  6. Was Ihnen selbst in dieser Zeit zusteht
  7. Wenn daraus ein Neuanfang entsteht
  8. Häufige Fragen zum Verzeihen nach einer Affäre
  9. Jetzt Unterstützung holen

Über 128 Paare und Einzelpartner aus Deutschland, der Schweiz und Österreich bewerten unsere Arbeit bei ProvenExpert. Reale und geprüfte Bewertungen unserer Paarberatung

Alle Erst- und Abklärungsgespräche unterliegen unserer 100 % Zufriedenheitsgarantie. Systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule · über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten.


Die ersten Tage, in denen nichts sortiert ist

Wut, Schmerz, Enttäuschung, Verzweiflung – meist alles gleichzeitig und in wechselnder Reihenfolge. Wer in diesen Tagen das Gefühl hat, den Verstand zu verlieren, erlebt nichts Ungewöhnliches. Das Nervensystem verarbeitet einen Bruch, für den es keine Vorbereitung gab.

Auffällig ist, wie viele Menschen in dieser Phase glauben, jetzt sofort entscheiden zu müssen: bleiben oder gehen, verzeihen oder nicht. Diesen Druck erzeugt fast niemand von außen. Er entsteht aus der Unerträglichkeit des Schwebezustands – und führt zu Entscheidungen, die später kaum jemand so noch einmal treffen würde.

Manche Paare verschaffen sich für einige Tage räumlichen Abstand, andere halten die Nähe gerade jetzt für wichtig. Beides kommt vor, beides funktioniert. Was in Ihrer Situation trägt, wissen Sie besser als jeder Ratgeber.

Verzeihen ist keine Entscheidung, die man einmal trifft

Der verbreitete Irrtum lautet, Vergebung sei ein Beschluss: Man fasst ihn, spricht ihn aus, und danach ist die Sache erledigt. So funktioniert es bei kaum jemandem. Verzeihen ist eher eine Bewegung, die sich über Monate wiederholt – an guten Tagen leicht, an schlechten von vorn.

Deshalb erschrecken viele Menschen, wenn nach Wochen scheinbarer Beruhigung plötzlich wieder alles hochkommt. Das ist kein Rückfall und kein Zeichen dafür, dass die Vergebung unecht war. Es gehört zum Verlauf.

Hilfreich ist die Unterscheidung zwischen zwei Fragen. „Kann ich ihm oder ihr verzeihen?“ richtet sich auf die andere Person. „Will ich mit dieser Geschichte weiterleben?“ richtet sich auf Sie selbst – und ist die Frage, die Sie tatsächlich beantworten können.

Drei Fragen zum Innehalten

Was müsste geschehen, damit Sie in einem Jahr sagen könnten: Es war richtig, geblieben zu sein?

Woran würden Sie merken, dass Vertrauen zurückkommt – woran ganz konkret?

Was von dem, was Sie gerade fühlen, gehört zu dieser Affäre – und was gehört zu etwas Älterem?

Das Gespräch, das beide aushalten müssen

Ohne Sprechen geht es nicht, und Sprechen allein reicht nicht. Beide Seiten benötigen die Möglichkeit, ihre Sicht darzulegen – auch die Seite, die gehandelt hat. Das fällt schwer, weil es sich anfühlt, als würde man dem Schmerz seine Berechtigung nehmen. So ist es aber nicht.

Erfahrungsgemäß kreisen die Gespräche zunächst um das Was: Wann, wie oft, wo, wie lange. Diese Fragen benötigen Antworten, sonst füllt die Vorstellungskraft die Lücken – meist drastischer als die Wirklichkeit. Später verschiebt sich das Interesse auf das Wozu, und dort beginnt die eigentliche Klärung.

Wer selbst gehandelt hat, findet die Perspektive der anderen Seite unter Fremdgegangen – was jetzt?. Die Ursachen, die einer Außenbeziehung vorausgehen können, ordnet Fremdgehen – Ursachen und Bedeutung ein.

Wie Vertrauen tatsächlich zurückkommt

Nicht durch Beteuerungen. Vertrauen wächst über Erfahrungen, die sich wiederholen: eine Ankündigung, die eingehalten wird, eine Nachfrage, die ohne Gereiztheit beantwortet wird, ein Abend, der so verläuft wie besprochen. Hundert kleine Bestätigungen wiegen schwerer als ein großes Versprechen.

Viele Paare vereinbaren für eine Übergangszeit mehr Transparenz als vorher. Das ist eine Krücke, und Krücken sind sinnvoll, solange etwas heilt – nur nicht auf Dauer. Wo Kontrolle zum Dauerzustand wird, entsteht kein Vertrauen, sondern ein Überwachungsverhältnis, unter dem beide leiden.

Wenn das Misstrauen sich verselbstständigt und Gedankenkreisen, Bilder im Kopf oder Kontrollimpulse den Alltag bestimmen, beschreibt der Beitrag Eifersucht nach Fremdgehen diesen Zustand genauer.

Verzeihen, aber nicht vergessen

„Ich kann verzeihen, aber vergessen werde ich es nie“ – dieser Satz fällt in unseren Sitzungen häufig, meist entschuldigend. Dabei ist er kein Mangel. Vergessen wäre auch gar nicht wünschenswert: Es würde bedeuten, einen Teil der eigenen Geschichte auszublenden.

Was sich verändern kann, ist nicht die Erinnerung, sondern ihr Gewicht. Am Anfang steht das Ereignis im Zentrum und färbt alles ein. Mit der Zeit rückt es an den Rand – vorhanden, abrufbar, aber nicht mehr bestimmend. Paare beschreiben diesen Punkt oft als den Moment, an dem sie gemerkt haben, dass es weitergeht.

Manche behalten die Geschichte sogar als etwas, das zu ihnen gehört. Nicht als Wunde, die man vorzeigt, sondern als Wegmarke: Hier waren wir, und wir sind da durchgekommen.

Was Ihnen selbst in dieser Zeit zusteht

In der Konzentration auf die Beziehung geht regelmäßig unter, dass Sie selbst gerade viel tragen. Schlaf, Bewegung, eigene Interessen, Menschen, bei denen Sie nicht funktionieren müssen – all das klingt nebensächlich und ist es nicht. Wer selbst leerläuft, hat für Klärungsarbeit keine Kraft mehr.

Ebenso zusteht Ihnen ein eigener Raum, in dem Sie nicht als Teil eines Paares sprechen. Manche Menschen nutzen dafür eine Einzelbegleitung, andere den Freundeskreis, wieder andere schreiben auf, was sich nicht sagen lässt. Der Weg ist zweitrangig, der Raum nicht.

Und Sie dürfen wütend bleiben, auch wenn die Sache offiziell besprochen ist. Gefühle halten sich nicht an Vereinbarungen. Wo sie unterdrückt werden, um den Frieden nicht zu gefährden, tauchen sie an anderer Stelle wieder auf.

Wenn daraus ein Neuanfang entsteht

Ein Teil der Paare, die zu uns kommen, entscheidet sich am Ende gegen die Fortsetzung. Andere bleiben zusammen und beschreiben die Beziehung später als tragfähiger als zuvor – nicht wegen der Affäre, sondern wegen dessen, was danach besprochen wurde. Beide Wege sind respektabel.

Häufig hilft es, sich etwas Gemeinsames vorzunehmen, das nach vorn zeigt: eine Reise, ein Projekt, eine Gewohnheit, die es vorher nicht gab. Nicht als Ablenkung, sondern als Gegengewicht. Ein Paar, das ausschließlich über das Vergangene spricht, verliert zu einem anderen Zeitpunkt den Grund, überhaupt zusammenzubleiben.

Begleitung von außen ist dabei kein Eingeständnis von Schwäche. Ein Dritter, der nicht Partei ist, hält Gespräche aus, die zu zweit regelmäßig eskalieren. Wie wir dabei arbeiten und was wir ausdrücklich nicht tun, beschreibt unsere Paarberatung.

Häufige Fragen zum Verzeihen nach einer Affäre

Wie lange dauert es, eine Affäre zu verzeihen?

Eine verlässliche Zahl gibt es nicht. Viele Paare beschreiben das erste Jahr als das schwerste, mit deutlichen Schwankungen. Entscheidender als die Dauer ist die Richtung: Werden die schlechten Phasen über die Monate seltener und kürzer, arbeitet die Zeit für Sie.

Kann man nach einer Affäre wieder glücklich werden?

Ja, das kommt regelmäßig vor – aber nicht als Rückkehr zum Zustand davor. Was entsteht, ist eine andere Beziehung, mit einer Geschichte mehr. Paare, die das annehmen können, berichten häufiger von Zufriedenheit als jene, die den Ursprungszustand wiederherstellen wollen.

Muss ich verzeihen, um weitermachen zu können?

Nein. Manche Paare leben lange miteinander, ohne dass die verletzte Seite das Wort Vergebung je benutzt. Was tragen muss, ist die Bereitschaft, die Geschichte nicht bei jedem Konflikt erneut auf den Tisch zu legen. Das ist etwas anderes als Verzeihen.

Was, wenn ich es versuche und es gelingt nicht?

Dann haben Sie eine Antwort, die Sie vorher nicht hatten. Der Versuch ist nicht vergeblich, auch wenn er zur Trennung führt – er erspart Ihnen die lebenslange Frage, ob es möglich gewesen wäre. Diese Frage belastet erfahrungsgemäß mehr als eine getroffene Entscheidung.

Ab wann ist eine Begleitung von außen sinnvoll?

Sobald dieselben Gespräche zum wiederholten Mal an derselben Stelle scheitern. Auch dann, wenn einer von beiden gar nicht mehr sprechen möchte. Ein Erst- und Abklärungsgespräch ist einzeln möglich, wenn Ihr Partner sich bisher nicht dazu entschließen kann.

Jetzt Unterstützung holen

Sie möchten nicht allein herausfinden, ob und wie es weitergeht? Ein Erst- und Abklärungsgespräch schafft dafür einen geschützten Rahmen – als Paar oder zunächst für Sie allein.

Wir, Bernd und Doris Nickel, sind beide zertifizierte systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule (SI-HD, PD Dr. med. Arnold Retzer) und VFP-Mitglieder. Bernd Nickel ist zusätzlich Zertifikatsinhaber der systemischen Sexualtherapie (Prof. Clement, IGST-HD) und DGSF-Mitglied. Über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten sind die Grundlage unserer Arbeit. Unsere Tätigkeit ist Beratung und Begleitung – keine Heilkunde und keine Wohlfahrtspflege.

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