Was ist SM = Sadomaso - Die Lust an der Qual oder die Wahl der Qual

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Lesezeit: ca. 7 Minuten | Autor: Bernd Nickel, DGSF-zertifizierter systemischer Paar- und Sexualtherapeut

Sado-Maso – was steckt hinter SM und BDSM in einer Paarbeziehung? Sadomasochismus bezeichnet sexuelle Praktiken, bei denen Macht, Kontrolle, Hingabe und das bewusste Spiel mit Lust und Schmerz eine Rolle spielen. Ob gemeinsam gelebte Vorliebe oder unausgesprochener Wunsch eines Partners: Auf dieser Seite erhalten Sie eine sachliche Einordnung, erfahren, welche Rollen und Grenzen es gibt und wann professionelle Begleitung sinnvoll wird.

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Was ist Sado-Maso?

Was ist SM – Sadomaso erklärt

Der Begriff Sado Maso bezeichnet sexuelle Praktiken und Beziehungsdynamiken, bei denen Macht, Kontrolle, Hingabe und das bewusste Spiel mit Lust und Schmerz eine Rolle spielen. Gemeint ist damit meist Sadomasochismus, häufig eingebettet in einvernehmliche BDSM-Kontexte. Entscheidend ist: Diese Formen von Sexualität beruhen auf Freiwilligkeit, klaren Absprachen und gegenseitigem Respekt.

Viele Menschen fragen sich, was Sado Maso von Gewalt oder Missbrauch unterscheidet. Der zentrale Unterschied liegt im Einverständnis aller Beteiligten. Grenzen werden vorab geklärt, Rollen sind bewusst gewählt, und es existieren klare Stopp-Signale. Ohne Konsens handelt es sich nicht um Sado Maso, sondern um Grenzverletzung.

Die Lust und Befriedigung durch aktives Zufügen oder passives Erleben von Schmerz, Macht oder Demütigung wird als Sadomasochismus bezeichnet – ein Begriff, der sich aus Sadismus und Masochismus zusammensetzt. Umgangssprachlich sind auch die Bezeichnungen SM und BDSM bekannt.

Allgemeines über SM und BDSM

Sado-Maso – SM und BDSM in der Partnerschaft

BDSM ist die Sammelbezeichnung für eine Gruppe von Sexualpräferenzen. Die Abkürzung steht für Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism. Es handelt sich um eine Form der sexuellen Lustgewinnung, die breit gefächert ist und sich nicht auf einzelne Praktiken beschränken lässt.

Wie auch immer der Begriff lauten mag – es geht letztlich um unterschiedlich ausgeprägte Varianten der Dominanz und Unterwerfung, die entweder aktiv ausgeführt oder passiv erlebt werden und mit Lustempfinden in Verbindung stehen.

Zu der gesamten Thematik Sado-Maso gehen die Meinungen weit auseinander – sowohl in der Gesellschaft als auch bei Sexualforschern und Therapeuten. Kein Wunder also, dass Betroffene sich hiermit nicht allzu leicht outen und ihre Vorliebe eher im Kreise Gleichgesinnter ausleben.

Rollenverteilung beim BDSM

BDSM SM Online Beratung – Rollenverteilung

Unterschieden wird zwischen Top und Bottom, Sadist und Masochist sowie Herr/Herrin und Sklave. Weiterhin gibt es den sogenannten Swinger – BDSM-Anhänger, die sich nicht auf eine Seite festlegen und zwischen den Rollen wechseln.

Es gibt kleine, aber feine Unterschiede: Während der Herr oder die Herrin den Sklaven zum eigenen Lustgewinn abrichtet und dabei Lust erfährt, hat der Sadist Freude daran, dem Masochisten Schmerzen zuzufügen. Top und Bottom hingegen werden oft in der Bondage-Szene verwendet – Top ist der aktive, meist fesselnde Part, Bottom der passive.

Wenn eine Frau die dominante Rolle übernimmt, wird das als Femdom (Female Dominance) bezeichnet. Viele Menschen stellen sich eine Domina als Frau in Lack und Leder vor. Tatsächlich gibt es viel mehr Formen der Dominanz, körperliche Gewalt spielt dabei nicht immer eine Rolle. Dominanz kann auch psychisch ausgeübt werden – hierdurch erfahren sowohl der dominante als auch der devote Part ihren Lustgewinn.

In vielen Fällen hat die Praktizierung von Sado-Maso und BDSM nichts mit fehlender Gleichberechtigung im Alltag zu tun. Es ist denkbar, dass der masochistische Part im Alltag die tragende Rolle spielt, sich aber bei der Ausübung von Sexualität dem Partner unterwirft.

Gegenseitige Grenzen und Verantwortung

Sado Maso was ist das – Grenzen und Verantwortung

Entgegen der weitverbreiteten Annahme liegt die Verantwortung nicht allein beim dominanten Partner, sondern ist gleichermaßen auf beide Personen verteilt. Grundsatz jeder BDSM-Session ist die Einwilligung beider Parteien. Hierfür muss vorausgesetzt sein, dass beide Personen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und imstande sind, Entscheidungen zu treffen.

Der sadistisch-dominante Partner hat dafür Sorge zu tragen, dass seine Züchtigungen keine Gesundheitsgefährdung nach sich ziehen. Hierfür benötigt er ein breites Wissen bezüglich Anatomie, Physik und Kraftverhältnissen. Fesseln müssen so angelegt werden, dass keine dauerhaften Nervenschäden oder Narben entstehen. Auch der Einsatz von Schlagstöcken und ähnlichen Spielzeugen muss kontrolliert erfolgen.

Der masochistisch-devote Partner hingegen muss auf seine eigenen Bedürfnisse hören und in der Lage sein zu kommunizieren, wenn ihm etwas nicht passt. Er muss die Fähigkeit besitzen, seine psychische Stabilität einzuschätzen und eine Session immer dann abzubrechen, wenn Gefahr für die seelische oder körperliche Gesundheit droht.

Gänzlich unterschiedliche Sichtweisen und Bedürfnisse der Partner werfen zwar im ersten Moment Fragen und Hürden auf. Langfristig ist eine Partnerschaft und auch deren Sexualität jedoch nur dann harmonisch, wenn beide Partner sich entfalten, Grenzen kennen, diese gegenseitig akzeptieren und vollkommen authentisch ihre Vorlieben bestimmen dürfen.

Wenn Sado-Maso in der Beziehung zum Thema wird

In Paarbeziehungen kann das Interesse an Sado-Maso Fragen, Unsicherheiten oder auch Konflikte auslösen. Unterschiedliche Bedürfnisse, Scham oder Angst vor Bewertung spielen dabei oft eine Rolle. In der Paarberatung geht es nicht darum, Vorlieben zu bewerten, sondern zu klären, was für beide Partner stimmig, tragfähig und respektvoll ist.

Wenn Sado-Maso-Fantasien oder -Praktiken zu Irritationen führen oder unausgesprochen bleiben, kann dies die Beziehung belasten. Eine offene, wertschätzende Kommunikation ist daher zentral. Professionelle Begleitung kann helfen, Wünsche einzuordnen, Grenzen zu klären und gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Eine Wertung oder Verurteilung derer, die sich zu ihrer sadomasochistischen Neigung bekennen und diese auch leben, ist grundsätzlich fehl am Platze. Eine einvernehmlich gelebte sexuelle Vorliebe für sadomasochistische Praktiken gehört in aller Regel zu einer nicht seltenen Ausprägung der individuellen Sexualität und sollte jedem Menschen wertfrei zugestanden werden.

Wenn Sadomasochismus zum Problem wird

Sadomaso – wenn SM zum Problem wird

Auch wenn die Neigung und Vorliebe des einen zum Problem des anderen wird, besteht Handlungsbedarf – im Übrigen nicht nur beim Sado-Maso. Sich einer Vorliebe des Partners zu unterwerfen, diese im vermeintlichen Einverständnis zu teilen, nur um dem anderen zu gefallen, ist Betrug an sich selbst und genaugenommen auch am Gegenüber.

Und auch hier gilt die Regel: Erlaubt ist, was gefällt und niemandem Schaden zufügt. Jeder Betroffene sollte in diesem Fall ehrlich mit sich selbst umgehen, sich der Aufgabe stellen und entsprechend ausgerichtete, professionelle Hilfe suchen – eine wirkliche Befreiung ohne Zwang und Leidensdruck ist das Ziel.

Eine einheitliche Lösung für eventuell auftauchende Probleme kann es nicht geben – die individuelle Lösungsmöglichkeit schlummert aber immer bereits in den Betroffenen selbst und will nur noch entdeckt werden.

Häufige Fragen zu Sado-Maso und BDSM

Ist Sadomasochismus eine psychische Störung?

Nein. Einvernehmlich gelebter Sadomasochismus wird in der modernen Sexualwissenschaft nicht als Störung betrachtet. Erst wenn ein dauerhafter Leidensdruck besteht oder die Einvernehmlichkeit fehlt, kann professionelle Begleitung angezeigt sein.

Was tun, wenn mein Partner SM-Fantasien hat, ich aber nicht?

Unterschiedliche sexuelle Vorlieben sind in Beziehungen häufig. Entscheidend ist, dass keiner der Partner sich zu etwas gedrängt fühlt. In der Paarberatung kann ein Rahmen geschaffen werden, in dem beide offen über ihre Wünsche und Grenzen sprechen können – ohne Bewertung.

Kann BDSM eine Beziehung belasten?

Ja, wenn die Bedürfnisse stark auseinandergehen oder einer der Partner seine Vorliebe versteckt. Die Belastung entsteht dann nicht durch die Praktik selbst, sondern durch das Unausgesprochene oder durch Scham. Offenheit und gegenseitiger Respekt sind die Grundlage.

Ist Sado-Maso immer mit Schmerz verbunden?

Nein. Viele BDSM-Praktiken beinhalten keinen körperlichen Schmerz. Bondage, psychische Dominanz oder Rollenspiele können ganz ohne Schmerz stattfinden. Die Bandbreite ist groß und individuell verschieden.

Hilft Paarberatung bei unterschiedlichen sexuellen Vorlieben?

In der systemischen Paarberatung geht es nicht darum, Vorlieben zu bewerten oder zu verändern. Es geht darum, die Dynamik zwischen Ihnen zu verstehen, Grenzen zu klären und einen Weg zu finden, der für beide tragfähig ist. Bernd Nickel ist ausgebildet in systemischer Sexualtherapie nach Prof. Dr. Ulrich Clement.

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