Sexuelle Probleme – eine „Volkskrankheit“?

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Sexuelle Probleme – eine „Volkskrankheit“?

Das genau ist es, was Ärzte, Psychologen und Therapeuten brauchen: eine neue Volkskrankheit! Und Journalisten brauen aus psychologischen und biologischen Komponenten den passenden Cocktail:

 

Während zu Beginn einer Partnerschaft 70% Männer wie Frauen Sex haben wollen, sackt die Quote bei den Frauen nach sieben Jahren auf gerade mal 10% ab. Ohne Zweifel spielt die Psyche eine wichtige Rolle, dämpfen Beziehungsprobleme Begierde und Lust. Oft jedoch sind es auch körperliche Fehlsteuerungen, die die Freude am Sex vergällen. Doch welcher Mensch geht wegen anhaltender Lustlosigkeit zum Arzt?

 

Das wird sich nun ändern, dank »neuester wissenschaftlicher« Erkenntnisse, und die Ärzte werden sich die Hände reiben. Lustlosigkeit, noch nicht auf der Liste der behandlungsnotwendigen Erkrankungen im ICD-10, privat abgerechnet, wird die Kassen zum Klingeln bringen. Passend dazu hat der amerikanische Urologe Irwin Goldstein herausgefunden, dass ein Viertel seiner Patientinnen unter Orgasmus-Störungen aufgrund "klitoraler Phimose« (Hautverengung der Klitorisspitze) leide. Ihnen muss geholfen werden – mit dem Messer, versteht sich.

 

Einfacher Menschenverstand würde genügen, um den Unsinn solcher Thesen deutlich zu machen. Wenn zu Beginn einer Partnerschaft siebzig Prozent der Frauen Sex wollen, nach sieben Jahren aber nur noch zwanzig Prozent, dann soll das organische Ursachen haben? Ist die Klitoris geschrumpft? Sind Blutgefäße verödet? Ist zwischenzeitlich gar die Scheide zugewachsen?

 

Im Wesentlichen begegnen wir in der organischen Diskussion dem alten Versprechen der Machbarkeit auf medizinischem Gebiet, von Pharmakonzernen gestützt. Man sollte einmal recherchieren, wie viele der neuen Erkenntnisse über angeblich organische Ursachen von Lustlosigkeit auf von Pharmakonzernen finanzierte Untersuchungen zurückgehen.

 

Die Firma Pfizer sorgt sich zudem rührend um die eheliche Sexualität, indem die sie eine Millionen Euro teure Anzeigenkampagne zur Behandlung von Erektionsproblemen unterstützt.

 

Längst scheint also klar, dass es sich um ein medizinisches Problem mit meist organischen Ursachen handelt. Wichtig ist allerdings, offen darüber zu sprechen ... vor allem auch mit Ihrem Arzt. Er weiß am besten, wie man Erektionsprobleme erfolgreich behandelt. Natürlich mit Viagra! Man könnte herzhaft lachen, wenn es einem nicht im Halse stecken bliebe. Läuft es nicht wie im Lehrbuch, gelten Mann oder Frau als gestört. Heute darf sich jeder eine Behandlung aussuchen, medikamentös oder organisch, denn Lust ist machbar, und wenn es medizinisch misslingt, dann wie gehabt paartherapeutisch:

 

 

 

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