Sexualtherapeutische Betrachtungen

Fachpraxis für systemische Paarberatung und systemische Sexualberatung

 

 

Sexualtherapeutische Betrachtungen

Nun möchte ich bei aller kritischen Betrachtung nicht den Eindruck erwecken, als würden sexuelle Störungen nicht existieren. Um Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich mich auch diesem Thema zuwenden und zunächst auf eine kritische Rezession eines Lesers der Bücher von Michael Mary zuwenden.

„In der Praxis wird es wohl leider so sein, dass Marys Bücher insbesondere Menschen, die aufgrund von Defiziten in ihrer Erziehung, ihrer Persönlichkeitsentwicklung oder verursacht durch traumatische Erfahrungen in ihrem Beziehungsleben nicht (mehr) in der Lage sind, mit ihrer sexuellen Identität und ihren Wünschen und Bedürfnissen wirklich ins Reine zu kommen - und die daraus nicht selten eine allgemeine lust- und körperfeindliche Lebenshaltung ableiten -, ein willkommenes Alibi liefert, das Thema »Sex« nicht nur aus der eigenen Prioritätenliste zu streichen, sondern dies in gleicher Weise auch vom Partner zu erwarten.„

Wenn mir die Formulierung "wirklich ins Reine zu kommen« auch unglücklich erscheint, möchte ich niemanden entmutigen, eine Sexualtherapie aufzusuchen, wenn er aufgrund seiner individuellen Entwicklungsgeschichte und familiärer Einflüsse oder aus organischen Ursachen heraus tatsächlich an sexuellen Beeinträchtigungen leidet (etwa infolge von Krankheiten oder nach Operationen), und wenn er – das ist unverzichtbare Voraussetzung – nach Lösungen dafür sucht.

Es sollte jedoch keine allgemeine Pflicht postuliert werden, persönliche Defizite zu bearbeiten, seien sie psychischer oder organischer Natur. Man kann sich ebenso mit Defiziten arrangieren und damit leben, und das gern auch bei Verzicht auf Sexualität.

Der Begriff der "sexuellen Störung“ ist offensichtlich, auch aufgrund seines inflationären Gebrauchs, bestens geeignet, mancherlei Verwirrung hervorzurufen. Was ist darunter zu verstehen? Der Sexualwissenschaftler Kurt Starke definiert ihn recht eng: „Von einer echten Störung kann erst dann gesprochen werden, wenn eine gesunde Person im geschlechtsreifen Alter kaum sexuelle Lust verspürt.“

Würde man diese Definition akzeptieren, litten tatsächlich viele Alleinstehende und Partner unter sexuellen Störungen. Ich kenne jedoch eine Reihe solcher Menschen, die sich durch ihre Lustlosigkeit keineswegs gestört fühlen.

Lustlosigkeit kann phasenweise auftreten oder dauerhaft. Will man behaupten, ein Mensch müsse unglücklich sein, nur weil er der sexuellen Befriedigung wenig abgewinnt? Nirgends ist beispielsweise nachgewiesen, dass Mönche oder Nonnen unglücklicher wären als Ehepartner.

Ulrich Clement verzichtet in seinem systemischen Ansatz auf jede Pathologisierung der Lustlosigkeit und überlässt die Definition der sexuellen Störung den Partnern:

„Wenn zwei Partner darunter leiden, dass die Intensität oder Qualität ihres Begehrens nicht zusammenpasst, dann würden die beiden ihre Sexualität als gestört bezeichnen. Ich als Therapeut habe das nicht zu entscheiden oder zu definieren. Sogar im Gegenteil: Lustlosigkeit und Lust sind zunächst einmal gleichwertig. Der Partner, der sich sexuell desinteressiert und lustlos zeigt, hat genauso Recht wie der Partner, der auf sexuelle Aktivität drängt und sich subjektiv als »normal« oder gesund sieht.“

Das ergibt Sinn, gleicht jedoch dem Rufen in der Wüste. Denn in der gegenwärtigen Diskussion der Luststörung melden sich, nachdem Paartherapeuten dies schon vor geraumer Zeit taten, nun auch Mediziner zu Wort. Dazu wird einmal mehr der Begriff der Störung, aktuell der organischen Störung, als mögliche Ursache für den Lustverlust in den Vordergrund geschoben.

„Sexuelle Probleme sind eine Volkskrankheit. Diese gehören zu den am stärksten unterbehandelten Krankheitsbildern ... wir müssen die Biologie der Lust besser verstehen.“

 

 

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