Der Mann in der Partnerschaft

Der Mann an der Seite einer Frau

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Ich hätte gerne einen Mann an meiner Seite und kein weiteres Kind“, sagt Andrea S. entschieden. Andrea (39) ist Bankkauffrau und verheiratet mit Martin B. (37), beide haben ein gemeinsames Kind. In ihrer nunmehr elf Jahre währenden Ehe lief das Meiste nach Plan – vor allem nach Andreas Plan. Der moderne Mann in der Partnerschaft setzt bis heute noch auf veraltete Rollenbilder.

Männer und Partnerschaften: Ein Beispiel aus meiner Paarberatung

Jetzt sitzen die beiden auf meiner Couch für eine Paar-Beratung. So überraschend das für Andrea erscheinen mag: Ich weiß, dass Martin Probleme hat, ihre Forderung nachzuvollziehen. Und genau das ist die Ursache für das Problem. Martin fehlen Antennen für die Bedürfnisse seiner Frau, weil er  gar nicht versteht, was sie meint.
Also frage ich nach: „Andrea, was fehlt Ihnen denn bei Martin?“ Während Martin schweigt und seine Augen abwechselnd zwischen mir und seiner Frau hin- und herwandern, sagt Andrea mit festem Blick auf ihren Mann: „Bei Martin habe ich oft das Gefühl, dass er gar nicht richtig erwachsen geworden ist.“

Martin: Mann sein geht anders

Martin schweigt nach wie vor. Mir wird klar, dass es wohl in erster Linie Andreas Idee war, mich aufzusuchen. Dennoch haben beide ihren Anteil an ihren Beziehungsproblemen. Aber ich möchte zuerst darauf eingehen, worin Martins Fehlleistung besteht. Martin ist ein Mann, der keiner zu sein scheint. Wie kommt das?

Herbert Grönemeyer hat vor über 25 Jahren in seinem bekannten Song „Männer“ gefragt: „Wann ist Mann ein Mann?“. Viele Männer haben darauf keine Antwort. Was macht ihn denn aus, den Mann?

Welcher Mann nimmt sich Zeit, schafft Freiräume, sucht Gesprächspartner, um sich über sein „Mannsein“ bewusst zu werden? Welche Rolle nimmt Mann ein als Bruder, Vater, Ehemann oder Partner? Wird Männlichkeit wertgeschätzt? Was ist männliche Sexualität, was Stärke, Empfindsamkeit, was sind männliche Bedürfnisse, Gefühle oder auch Ängste?

Männer und Frauen müssen beide an der Partnerschaft arbeiten

Althergebrachte Rollenmuster sind überholt. Aber überzeugende Alternativen sind immer noch Mangelware. So geht es auch Martin. Er weiß gar nicht recht, wie er sich als Mann zu verhalten hat. Ich gebe dem Paar folgende Gleichungen mit auf den Weg, über die beide bis zur nächsten Sitzung gemeinsam nachdenken sollen:

  • Je männlicher der Mann, desto weiblicher kann die Frau sich fühlen.
  • Je unmännlicher der Mann sich gibt, umso weniger weiblich wird die Frau sich fühlen und stattdessen entweder „männlicher“ oder „mütterlicher“ werden.
  • Je mütterlicher sich die Frau um den Mann sorgt, umso weniger männlich-selbstständig wird der Mann sich verhalten und stattdessen eher rebellieren oder sich verwöhnen lassen.

Martin bekommt von mir die Aufgabe gestellt, zur nächsten Sitzung Notizen zu folgenden Aspekten mitzubringen: Ein nicht „erwachsen gewordener“ Mann lädt seine Partnerin ein,

  • ihn zu bemuttern
  • ihn übermäßig zu trösten, wo sanfte Konfrontation besser wäre
  • Verständnis für seine störenden Macken zu haben, wo sie sich eigentlich ärgert
  • ihm Dinge anzunehmen, die ihm lästig sind, anstatt ihn die Konsequenzen seines Tuns erleben zu lassen
  • ihn zu verwöhnen, um ihn freundlich zu stimmen oder ihn unmerklich zu manipulieren.

Andrea: Frau sein – nicht das Bemuttern – lässt den Mann reifen

Warum lassen sich Frauen auf solche Beziehungs-Muster ein? Es gibt ganz unterschiedliche Gründe. Aber oft wollen die Frauen damit einen möglichen Konflikt vermeiden. Viele Frauen fühlen sich in der Mutterrolle auch überlegen und nehmen sie deswegen ein. Aber diese vermeintliche Überlegenheit bezahlen sie damit, dass sie den Partner heimlich oder offen verachten.
Erwachsene Männer brauchen keine Nach Erziehung. Und eine Beziehung ist kein Erziehungs-Camp. Erwachsene Männer brauchen eine erwachsene Partnerin. Unbewusst suchen sie vielleicht eine „Mutti“ oder eine „Geisha“. Doch zu diesem Arrangement gehören immer zwei. Es ist also die Aufgabe der Frau, ihre Rolle auch als Frau und nicht als Mutter auszufüllen.

Männerberatung: Was kann ein Mann tun, um

  • den eigenen Weg zu gehen
  • vom Dasein als großer Junge zu wahrer Männlichkeit zu gelangen
  • Das eigene Leben in die Hand nehmen und Lebensvisionen entwickeln.
  • Die eigene Aggression annehmen. Nicht im Sinne von Wut und Zerstörung, sondern im ursprünglichen Sinne, heran schreiten; sich nähern, etwas anpacken.
  • Die eigenen Kraftquellen entdecken: Alleinsein, Natur. Sorgen Sie im Alltag für einen Retreat. Zeit mit sich selbst ohne Aktionen verbringen. Jeden Tag mindestens eine halbe Stunde.
  • Die Versöhnung mit dem Vater und Abnabelung von der Mutter.
  • Echte Männerfreundschaften aufbauen. Zeit mit Männern verbringen.
  • Emotionale Unabhängigkeit von Frauen. Machen Sie Ihre Partnerin nicht dafür verantwortlich, dass Ihre Bedürfnisse erfüllt werden.
  • Für sich einstehen und Kontakt zu den eigenen Gefühlen bekommen.
  • Konflikte oder Unstimmigkeiten offensiv angehen. Akzeptieren Sie keine unproduktive Nörgelei oder Opferhaltung.
  • Lassen Sie sich bewusst in die Sexualität ein. Hören Sie auf, lieblos und nur zum Spannungsabbau zu onanieren.
  • Lernen Sie bewusst, liebevoll und kreativ sich selbst zu lieben, indem Sie vertieften Kontakt zum eigenen Körper entwickeln und die Selbstliebe zelebrieren.
  • Sagen Sie ein Ja zu sich, auch wenn es ein Nein zu der Partnerin ist.
  • Übernehmen Sie Ihren Anteil an Führung und Verantwortung in einer paritätischen Partnerschaft.
  • Verbringen Sie viel Zeit mit Ihren Kindern und insbesondere mit Ihren Söhnen, um mit ihnen zu spielen und zu kämpfen, um ihnen etwas mitzugeben.

seo-optimiert, K. Winkler, 08. Juli 2021

 

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