Wir haben eine ideale Beziehung

Lüge und Mythos 12

Wir gehen immer einen gemeinsamen Weg. Wir leben alles mit einem für immer.

Provokant gesagt, wäre das fatal. In vielen Hollywoodfilmen und sogar vor dem Traualtar wird propagiert, man gehe nun einen gemeinsamen Weg. Noch provokanter gesehen, bedeutet die partnerschaftliche Verbindung dann so etwas wie ein „Aneinanderkleben“. Man bestreiche beide Seiten mit einem Tropfen Sekundenkleber, auf dass sie fest und untrennbar zusammenbleiben.

Ich sehe die ideale Beziehung nicht darin, möglichst viel gemeinsam zu machen, sondern sich gegenseitig möglichst viele Freiräume zu lassen. In der idealen Beziehung, wie ich sie mir vorstelle, gibt es nicht einen, sondern ganze drei Wege, die beschritten werden wollen. Jeder Partner behält dabei seine eigene Richtung bei. Er geht den vorherigen Lebensweg weiter, der ihn hin und wieder auch auf den soeben entstandenen dritten Lebensweg führt, der gemeinsam mit dem Partner beschritten wird. Das Paar, das niemals auch nur einen Schritt ohne den anderen tut, ist nicht das ideale Paar.

Diese Beziehung ist anfällig und zerbrechlich. Freiheit und Eigenständigkeit sind wichtige Standbeine in einer Beziehung. Wer sich mit anderen trifft, eigene Erfahrungen macht und etwas erlebt, ohne dass der Partner immer direkt danebensteht, bringt wichtige neue Anregungen und Gesprächsstoff in die Beziehung ein. Eigene Erlebnisse sind wie ein Motor, der die Beziehung in Gang hält. Dieser Motor benötigt ständig neues Öl auf dem Weg zur idealen Beziehung.

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