Egoismus in der Paarbeziehung

Von der Unmöglichkeit, es allen recht zu machen

Egoismus in der Paarbeziehung. Zwischen der Sorge um sich selbst und der Rücksicht auf den anderen verläuft ein schmaler Grat. Wo dieser Grat liegt, warum ein gesunder Egoismus die Partnerschaft nicht bedroht, sondern trägt, und woran sich Egozentrik im Alltag zuverlässig erkennen lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Egoismus und Egozentrik sind nicht dasselbe. Das eine meint Selbstfürsorge, das andere Selbstbezogenheit auf Kosten anderer.
  • Jeder Mensch ist an einer anderen Stelle egoistisch – und soll es auch sein. Ohne diesen Anteil gäbe es weder Fortschritt noch eigene Haltung.
  • Gesunder Egoismus verträgt ein Nein des Partners. Egozentrik erlebt Widerspruch als Angriff.
  • Wer sich dauerhaft übergeht, wird nicht großzügiger, sondern erst leiser und dann ärgerlich.
  • Selbstfürsorge entzieht der Beziehung keine Energie, sie führt ihr welche zu.
  • Die tragfähige Frage lautet nicht „Wie viel darf ich fordern?“, sondern „Was benötige ich, um in dieser Partnerschaft ganz da zu sein?“

Über 130 Paare und Einzelpartner aus Deutschland, der Schweiz und Österreich bewerten unsere Arbeit bei ProvenExpert. Bewertungen

Alle Erst- und Abklärungsgespräche unterliegen unserer 100 % Zufriedenheitsgarantie. Systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule · über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten.


Egoismus und Egozentrik: der entscheidende Unterschied

Egoismus in der Paarbeziehung – zwischen Selbstfürsorge und Selbstbezogenheit

Egoismus ist jedem Menschen auf eine bestimmte Art mitgegeben, und er wirkt selbstverständlich auch in die Partnerschaft hinein. Jeder ist dabei an einer anderen Stelle egoistisch – und soll es unserer Erfahrung nach auch sein. Genau darauf liegt die Betonung: auf einem gesunden Egoismus, der in klarem Kontrast zu seiner ungesunden Form steht. Diese ungesunde Form nennen wir Egozentrik.

Egozentrik bedeutet, sich selbst zum Mittelpunkt zu machen. Gemeint ist damit eine übertriebene Selbstbezogenheit und die Neigung, andere Menschen und Dinge beständig an sich selbst und der eigenen Perspektive zu messen. Der andere kommt darin nicht mehr als eigenständige Person vor, sondern nur noch als Reaktion auf die eigenen Wünsche.

Ein gewisses Maß an Selbstbehauptung gibt uns dagegen die Natur vor. Wenn zwei Bewerber um dieselbe Stelle kämpfen, überlässt keiner dem anderen freiwillig den Arbeitsplatz. Beide möchten diesen Job haben, und niemand käme auf die Idee, ihnen das vorzuwerfen. Schwierig wird es erst dort, wo dieselbe Haltung in eine Beziehung hineingetragen wird, in der es nichts zu gewinnen gibt.

Was ein gesunder Egoismus in der Partnerschaft bedeutet

Ein gesunder Egoismus ist dann erreicht, wenn wir das Leben führen, das wir führen wollen, ohne dabei jemandem zu schaden. Auf die innere Stimme zu hören, ist nicht von sich aus schlecht. Gäbe es diesen Anteil nicht, würden wir vermutlich noch heute glauben, die Erde sei eine Scheibe – es gab Menschen, die ihrem eigenen Gefühl gefolgt sind und das Gegenteil bewiesen haben.

Fortschritt im Großen wie im Kleinen entsteht nur dort, wo Menschen das tun, was sie für richtig halten. Übertragen auf eine Partnerschaft heißt das: Wer eine eigene Haltung hat, ist als Gegenüber greifbar. Ohne diese Haltung bleibt einer von beiden merkwürdig konturlos, und der andere weiß nach Jahren nicht, woran er ist.

Nah verwandt damit ist die Frage nach dem eigenen Wert. Wie sehr Selbstfürsorge und Selbstachtung zusammenhängen, beschreiben wir ausführlicher unter Selbstliebe und Selbstwert.

Über die Unmöglichkeit, allen recht zu geben.

Menschen, die zu ihrer Meinung stehen, ernten häufig Kritik. Noch öfter allerdings ernten sie Bewunderung für ihren Mut. Im Beruf sind sie erfolgreicher, und vor allem wirken sie in ihrem Leben zufriedener. Selbstverwirklichung scheint also nicht so unmöglich zu sein, wie es sich zwischendurch anfühlt.

Viele haben trotzdem das Bedürfnis, es allen recht zu machen. Dabei stoßen sie schon nach kurzer Zeit an eine Grenze, denn kein Mensch kann jeden Wunsch erfüllen. Weder im Beruf noch in der Partnerschaft geht diese Rechnung auf. Wer allen gerecht werden will, wird niemandem gerecht.

Deutlich gesünder für das eigene Ich wäre es, es zunächst sich selbst recht zu machen. Vieles andere ergibt sich daraus von allein – nicht, weil der andere dann unwichtig würde, sondern weil aus einem gefüllten Gefäß leichter etwas abgegeben werden kann.

Warum ein gewisses Maß an Egoismus notwendig ist

Oft wird Egoismus rundheraus negativ beurteilt. Dabei ist die Fähigkeit, auf sich selbst zu achten und die eigenen Bedürfnisse zu wahren, für eine Partnerschaft schlicht notwendig. Gesunder Egoismus bedeutet nicht, rücksichtslos die eigenen Interessen durchzusetzen. Es geht darum, die eigenen Grenzen zu kennen, auf die eigene Energie zu achten und sich nicht selbst zu übergehen.

In der Beratung sehen wir regelmäßig, wohin dauerhafte Selbstaufgabe führt. Wer sich über Jahre zurücknimmt, wird nicht großzügiger, sondern erst leiser und dann ärgerlich. Der angesammelte Groll entlädt sich später an Kleinigkeiten, und für den Partner kommt der Ausbruch scheinbar aus dem Nichts.

Eng verbunden damit ist das Wechselspiel von Rückzug und Annäherung, das wir unter Nähe und Distanz ausführlicher beschreiben.

Gesunder Egoismus und Egozentrik im Vergleich

Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, woran sich beide Haltungen im Alltag unterscheiden lassen. Entscheidend ist selten die einzelne Handlung, sondern die Frage, ob der andere darin noch vorkommt.

MerkmalGesunder EgoismusEgozentrik
Eigene Bedürfnissewerden erkannt und ausgesprochenwerden vorausgesetzt und durchgesetzt
AbspracheWünsche werden angemeldet und verhandeltEntscheidungen fallen über den Kopf des anderen hinweg
Umgang mit einem Neinhält es aus, ohne die Beziehung infrage zu stellenerlebt es als Angriff oder Liebesentzug
Blick auf den Partnereigenständiger Mensch mit eigenen AnliegenSpiegel und Erfüllungsgehilfe der eigenen Wünsche
Wirkung auf die Beziehungmehr Energie, weniger Groll, klarere GrenzenRückzug des Partners, Konflikte, wachsende Unzufriedenheit

Was sich verändert, wenn Selbstfürsorge Platz bekommt

In einer tragfähigen Beziehung geht es um ein Wir. Bedeutet das, dass man sich selbst und seine Bedürfnisse aufgeben muss? Die Antwort lautet nein. Tatsächlich bildet ein gesunder Egoismus häufig erst die Grundlage dafür, dass eine Partnerschaft auf Dauer erfüllend bleibt.

  • Mehr Energie und Ausgeglichenheit: Wer auf sich selbst achtet, verfügt über mehr Kraft und emotionale Reserven, die er in die Partnerschaft einbringen kann.
  • Wachsendes Selbstwertgefühl: Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse ernst, stärken Sie damit Ihr Selbstbewusstsein und Ihre Eigenständigkeit – beides macht Sie als Partner interessanter.
  • Weniger Frustration und Groll: Werden eigene Anliegen regelmäßig übergangen, sammelt sich Unmut an. Selbstfürsorge beugt dem vor, bevor es zum Vorwurf wird.
  • Mehr Respekt und Verständnis: Indem Sie für sich selbst einstehen, zeigen Sie dem anderen, dass Sie sich achten – und damit auch ihn.
  • Anregung für den Partner: Ihre eigene Sorgfalt kann den anderen dazu einladen, ebenfalls besser auf sich zu achten.

Fehlt diese Balance über längere Zeit, schlägt sie häufig in Vergleichen und Misstrauen nieder. Solche Bewegungen ordnen wir unter Eifersucht und im Überblick Emotionen und Gefühle ein.

Praktische Schritte für den Beziehungsalltag

Fällt es Ihnen schwer, zwischen Selbstfürsorge und den Bedürfnissen Ihres Partners eine Balance zu finden? Vier Ansatzpunkte haben sich in unserer Arbeit als tragfähig erwiesen.

Sprechen statt andeuten. Sagen Sie offen, was Sie benötigen und wünschen, statt darauf zu warten, dass der andere es errät.

Zeit für sich einplanen. Reservieren Sie regelmäßig Stunden für das, was Ihnen guttut – allein oder mit Freunden, ohne Rechtfertigung.

Nein sagen üben. Eine Absage ist erlaubt, wenn Ihnen etwas zu viel wird. Binden Sie sie an die Sache und nicht an die Person.

Eigene und gemeinsame Ziele. Unterstützen Sie einander bei individuellen Vorhaben und suchen Sie zugleich Ziele, die Sie als Paar verbinden.

Gesunder Egoismus steht einer liebevollen Partnerschaft nicht entgegen. Im Gegenteil bildet er die Basis für eine Beziehung auf Augenhöhe, in der beide sich zeigen und entfalten können. Wenn Sie diesen Weg zunächst für sich klären möchten, ist auch eine Einzel- und Singleberatung ein möglicher Anfang.

Drei Fragen zum Innehalten

  • An welcher Stelle übergehe ich mich regelmäßig – und wem zuliebe?
  • Wann habe ich zuletzt ein Nein ausgesprochen, ohne mich anschließend zu rechtfertigen?
  • Was benötige ich, um in dieser Partnerschaft ganz da zu sein?

Häufige Fragen zu Egoismus in der Paarbeziehung

Ist Egoismus in einer Partnerschaft schädlich?

Schädlich ist nicht der Egoismus, sondern seine egozentrische Ausprägung. Wer die eigenen Bedürfnisse kennt, benennt und in Absprache mit dem Partner verfolgt, bringt Energie in die Beziehung statt sie abzuziehen. Problematisch wird es dort, wo eigene Interessen über den Kopf des anderen hinweg durchgesetzt werden. Der Unterschied liegt also nicht im Wollen, sondern im Aushandeln.

Woran erkenne ich, ob ich egozentrisch handle?

Ein brauchbarer Prüfstein ist die Frage, ob Sie den anderen noch als eigenständigen Menschen wahrnehmen oder nur noch als Reaktion auf sich selbst. Egozentrik zeigt sich daran, dass Entscheidungen ohne Rückfrage fallen und Widerspruch als Angriff erlebt wird. Gesunder Egoismus verträgt ein Nein des Partners, ohne dass die Beziehung dadurch infrage steht. Wer unsicher ist, kann die Frage direkt stellen.

Wie sage ich Nein, ohne meinen Partner zu verletzen?

Hilfreich ist, das Nein an die Sache zu binden und nicht an die Person. Ein Satz wie „Ich benötige diesen Abend für mich, morgen bin ich gern für uns da“ enthält eine Absage und zugleich ein Angebot. Verletzend wirken Absagen meist dann, wenn sie unbegründet bleiben oder als Vorwurf verpackt sind. Übung darin entsteht weniger durch Formulierungen als durch Wiederholung.

Was tun, wenn mein Partner nur an sich denkt?

Der Eindruck täuscht erstaunlich oft, weil Zuwendung in unterschiedlichen Formen ausgedrückt wird. Sinnvoll ist zunächst, konkrete Situationen zu benennen statt eine Charaktereigenschaft zuzuschreiben. Führt das zu keiner Veränderung, geht es um Ihre eigenen Grenzen und darum, was Sie auf Dauer mittragen wollen. Ein Gespräch zu dritt sortiert diese Frage meist schneller als ein weiterer Anlauf zu zweit.

Kann eine Paarberatung bei ungleicher Rücksichtnahme helfen?

Ungleich verteilte Rücksicht gehört zu den häufigsten Anliegen in unserer Arbeit. Wir suchen dabei weder Schuld noch Ursachen in der Vergangenheit, sondern schauen auf das Muster, das beide gemeinsam am Laufen halten. Häufig verändert sich nicht der Charakter der Beteiligten, sondern die Art, wie Wünsche angemeldet und beantwortet werden. Unsere Arbeitsweise beschreiben wir unter Wie wir arbeiten.

Jetzt Unterstützung holen

Wenn Sie merken, dass zwischen Ihnen immer wieder derselbe Streit über Rücksicht und Eigensinn entsteht, benötigen Sie dafür keine lange Vorgeschichte. In unserer Paarberatung unterstützen wir Sie dabei, einen gesunden Egoismus zu entwickeln, der Ihre Beziehung stärkt, statt sie zu gefährden. Mehr dazu unter Paarberatung.

Wir, Bernd und Doris Nickel, sind beide zertifizierte systemische Paartherapeuten der Heidelberger Schule (SI-HD, PD Dr. med. Arnold Retzer) und VFP-Mitglieder. Bernd Nickel ist zusätzlich Zertifikatsinhaber der systemischen Sexualtherapie (Prof. Clement, IGST-HD) und DGSF-Mitglied. Über 8.000 gemeinsame Beratungen in zwei Jahrzehnten sind die Grundlage unserer Arbeit. Unsere Tätigkeit ist Beratung und Begleitung – keine Heilkunde und keine Wohlfahrtspflege.

Unsere 100 % Zufriedenheitsgarantie

Eine plötzliche Konfliktlage – selbst außerhalb der Geschäftszeiten?

Nehmen Sie direkt Kontakt auf – einzeln oder als Paar, auch kurzfristig. Wer uns über das Kontaktformular schreibt, erhält zeitnah eine persönliche Rückmeldung.

Dringenden Termin anfragen

Oder per E-Mail: post@erlebte-paarberatung.de

Haftungsausschluss

 

Die Informationen auf dieser Website dienen ausschließlich Informationszwecken und ersetzen keine professionelle Beratung durch einen Paarberater oder Paartherapeuten. 

 

 

Haben Sie noch Fragen zur Paarberatung?

 

 

Dann machen Sie nun den nächsten Schritt und gehen Sie hier zum Kontaktformular Zum Kontaktformular

 


 

Wir freuen uns auf Sie!
Ihre zertifizierten systemischen Paartherapeuten
Bernd und Doris Nickel.

Zurück zum Seitenanfang
Eine Chance für Ihre Liebe!