was heißt systemisch

Systemische Beratung Was heißt das?

Was ist ein System? - Es ist ein Konstrukt (ein Hilfsmittel zum einfacheren Arbeiten), das aus Beziehungen, Kommunikationen und Handlungen besteht - die von den Menschen (der Systemumwelt), die dieses System bilden, erzeugt werden.

Menschen entstehen im System - sie bilden von der ersten Minute der Zeugung an Systeme und verhalten sich in verschiedenen Systemen völlig unterschiedlich.

Systemisch denken heißt zirkulär denken - alles hat wechselseitig Einfluss aufeinander. Es gibt daher keine eindeutigen „Ursachen" oder „Schuldigen", sondern nur Beteiligungen unterschiedlicher Art und unterschiedlichem Ausmaßes.

Systemisches Denken bedeutet, in Auswirkungen zu denken -wir können stets frei wählen, übernehmen dabei aber die Verantwortung für die Folgen unseres Handelns.

Systemisches Denken ist ziel-, nicht ursachen- und vergangenheitsorientiert.

Menschen denken in ihren ureigenen Mustern - als Berater unterstützen wir dabei, weniger hilfreiche Denkmuster beim Kunden zu unterbrechen bzw. neue zu finden.

Problemlösungen können durch hilfreiche Verstörung von außen angeregt werden - wir übernehmen als Berater stets die Verantwortung für die Intensität und Art der Verstörung.

Systemische Arbeit bedeutet Prozessarbeit - der Klient bleibt Experte für die Inhalte (Problem- und Lösungswelt), während der Berater für die Gestaltung des Prozesses verantwortlich ist.

In der Beratung können wir mit dem Klienten nur Maßnahmen für dessen Leben erarbeiten; wir können nicht mit ihm sein Leben leben.




Auf den Punkt gebracht:

„Grundsätzliches zum systemischen Arbeiten“ von Wilhelm Rotthaus (Fachverband DGSF)
Die systemische Psychotherapie, die systemische Beratung und die systemische Supervision bauen auf modernen Konzepten systemtheoretischer Wissenschaft auf, die mittlerweile Eingang in alle Disziplinen der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften gefunden haben. Sie ermöglichen es, komplexe Phänomene, die menschliches Leben und Zusammenleben charakterisieren, komplexitätsgerecht aufzufassen und eine passende Methodik zu ihrer Behandlung zu entwickeln. Nach systemischem Verständnis ist der Mensch immer zugleich als biologisches und als soziales Wesen zu betrachten.
Die systemische Perspektive rückt deshalb die dynamische Wechselwirkung zwischen den biologischen und psychischen Eigenschaften einerseits und den sozialen Bedingungen des Lebens andererseits ins Zentrum der Betrachtung, um das Individuum und seine psychischen Störungen angemessen verstehen zu können. Die systemische Therapie und Familientherapie verfügen über eine eigene klinische Theorie und Methodologie zur Erklärung und Behandlung psychischer Störungen. Psychische Krankheiten werden als Störung der Systemumweltpassung definiert. Individuelle Symptome werden als Ergebnis von krankheitserzeugenden und -aufrechterhaltenden Beziehungsmustern im Kontext der wichtigen Bezugspersonen gesehen. Diese Personen werden deshalb nach Möglichkeit in den therapeutischen Prozess mit einbezogen. Es stehen aber auch geeignete Methoden für die Durchführung von systemischer Einzeltherapie und systemischer Paartherapie zur Verfügung.
Grundlage für die systemische Praxis ist die Kooperation zwischen Hilfesuchendem und Helfer. Zentrales Arbeitsmittel ist der öffnende Dialog. Dem Klienten gegenüber bemüht sich der Therapeut, Berater oder Supervisor um eine Haltung des Respekts, der Unvoreingenommenheit, des Interesses und der Wertschätzung bisheriger Handlungs- und Lebensstrategien.


Etwas ausführlicher:

Systemische Beratung
Systemische Beratung hat sich aus der systemischen Familientherapie entwickelt. Sie bezeichnet beraterische Unterstützung von unterschiedlichen Systemen, basierend auf systemischer Grundlage. Theoretischer Hintergrund sind u.a. die Systemtheorie, Kommunikationstheorie sowie die Erkenntnisse und Methoden verschiedener familientherapeutischer Schulen.
Bei der systemischer Beratung geht es primär um das Stärken der Ressourcen und Kompetenzen des jeweiligen zu beratenden sozialen Systems. Zur Betonung dieser Vorgehensweise wird systemische Beratung häufig auch als „ressourcenorientierte Beratung“ bzw. „lösungsorientierte Beratung“ bezeichnet.


Weitere systemische Beratungssettings sind:

* Systemische Therapie
* Systemische Organisationsberatung
* Systemisches Coaching
* Systemische Supervision

Zur Geschichte des systemisch-lösungsorientierten Vorgehens
Der Pionier lösungsorientierter Vorgehensweisen war Milton Erickson. Er lebte von 1901 bis 1980 und war ein bedeutender amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut. 1954 beschrieb er in einem Fachartikel eindrucksvoll die Wirkweise der Konstruktion von Lösungen in der Zukunft im Unterschied zur Problemlösung klassischer Art, die intensive Problemanalysen voraussetzt.
Die Gruppe um die Psychotherapeuten Insoo Kim Berg und Steve de Shazer stellte in ihrem Kurzzeittherapiezentrum in Milwaukee seit 1969 die Lösungsorientierung in den Mittelpunkt und entwickelten daraus abgeleitet viele wirksame und elegante Fragestrategien, die in den Beratungsgesprächen eingesetzt werden können. In der Folgezeit wurde der systemisch-lösungsorientierte Ansatz immer weiter entwickelt und in der Beratung und Therapie, in der Jugendhilfe und in vielen anderen psychosozialen Bereichen angewendet.


Systemisches Denken - Was heißt das?

Systemisches Denken ist ein ganzheitlicher Ansatz, der hilft sich nicht in Einzelheiten zu verlieren, sondern den Blick für Zusammenhänge zu bewahren. Durch eine spezielle beraterische Gesprächsführung sollen Stärken gestärkt werden und Lösungsansätze sich wie Schneebälle, die einen Berg hinunter rollen vergrößern und sich letztlich so weit ausbreiten, dass Probleme im Verhältnis dazu an Bedeutung verlieren.
Lösungen können sowohl auf der Verhaltens-/oder Wahrnehmungsebene entstehen als auch durch einen Perspektivwechsel, der einen neuen Blick auf die vorhandenen Probleme ermöglicht. In der Beratung können neue Perspektiven erarbeitet werden, die dabei helfen, die Beschwerdesituation anders zu erleben und auf eine veränderte Art und Weise damit umzugehen.
Beim lösungsorientierten Vorgehen geht es also nicht um eine überoptimistische Machbarkeitsphilosophie, sondern darum zu erkennen, wo Veränderungen möglich sind und angestrebt werden sollten. Wo unveränderbare, etwa schicksalhafte Begrenzungen vorliegen (wie z.B. eine schwere Krankheit, Verlust des Arbeitsplatzes…) kann man mit einer veränderten Haltung den besten Umgang mit den Begrenzungen erlernen.
Was ist das Systemische an der Beratung?

Den theoretischen Hintergrund der systemischen Beratung bildet die soziologische Systemtheorie, die von Niklas Luhmann (1927-1998) entwickelt wurde. Er war ein Soziologe, Philosoph und Gesellschaftstheoretiker. In seinem Verständnis von „Systemtheorie“, ist die Gesellschaft nicht eine Ansammlung von Menschen, sondern ein geschlossener Prozess der Kommunikation. Damit setzt Luhmann in seiner Systemtheorie die Gesellschaft gleich mit Kommunikation.
Der zentrale Grundbegriff der Systemtheorie ist das System.


Was versteht man unter System?

Ein System ist begrenzt und gegenüber der Umwelt abgegrenzt, d.h. es hat eine Grenze, einen Kern und Elemente. Die Elemente wirken zusammen über Energie oder Signale. Alles außerhalb der Systemgrenze Liegende ist dessen Umwelt. Ein System ist eine Menge von Elementen, die in einem abgegrenzten oder abgrenzbaren Bereich so zusammenwirken, dass dabei ein vollständiges, sinnvolles, zweck- und zielgerichtetes Zusammenwirken in einem funktionellen Sinne erzielbar wird. Aufbau und Funktionsweise eines Systems hängen von dem Standpunkt des Betrachters ab.


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